Er ist der grantige Geizhals Ebenezer Scrooge sowie die drei Geister der vergangenen, diesjährigen und zukünftigen Weihnacht in Personalunion: Seit fast vierzig Jahren zeigt Brian D. Barnes den Weihnachtsklassiker „A Christmas Carol“ von Charles Dickens als Ein-Mann-Aufführung im Freiburger Wallgraben Theater. Der englische
Schauspieler, der Jahr für Jahr mit Schlafmütze und Hausmantel vor einem begeisterten Publikum die verschiedenen Charaktere der Geschichte verkörpert, ist mittlerweile 83 Jahre alt – und denkt noch lange nicht ans Aufhören.

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„Früher bin ich in der ganzen Welt umhergereist und habe ‚A Christmas Carol’ in 40 Ländern gespielt. Auch in nicht-christlichen Ländern. Schließlich ist es keine religiöse Geschichte, sondern eine Erzählung über den Glauben an andere Menschen. Die Tatsache, dass dieser schreckliche Mann Scrooge sich selbst wiederfindet durch das Wohlwollen anderer Menschen – das ist der Geist der Weihnacht und das lieben die Menschen an dieser Geschichte.

 

Mittlerweile hatte ich damit fast 750 Auftritte und es wird nie langweilig. Ganz im Gegenteil: In diesem wunderschön geschriebenen, klassischen Text kann man immer neue Stimmungen und neue Ausdrücke finden. Das merkt man auch beim Publikum: Viele Menschen kommen jedes Jahr wieder.

 

Darum höre ich auch erst auf, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, das schwere Gepäck zu tragen. Denn meine Performances – ein Repertoire von Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts – sind alles Koffershows. Von Stücken, für die ich mehr brauche, als in meinen Koffer passt, verabschiede ich mich. Bei ‚A Christmas Carol’ ist das Bühnenbild daher sehr einfach gestaltet: Es gibt simple Lichteffekte, die dem Stück jedoch mehr Leben einhauchen, als es ein aufwändiges Bühnenbild könnte.

 

Mittlerweile toure ich nicht mehr durch die ganze Welt, trete aber noch jedes Jahr im Theater der Altstadt in Stuttgart und im Wallgraben Theater Freiburg auf – meine Stammtheater in Deutschland. Meine Auftritte sind kurz vor Weihnachten, und da ich keine Familie mehr in England habe, verbringe ich das Fest nun schon zum sechsten Mal bei einem befreundeten Paar in Sulzburg, das mir ein Zuhause fern der Heimat gibt.

 

Der Hauptunterschied zur Weihnacht in England ist, dass dort der wichtigste Tag der erste Weihnachtsfeiertag ist. Wenn der Neffe in ‚A Christmas Carol’ Scrooge zum Weihnachtsfest einlädt, ist daher damit der 25. und nicht der 24. Dezember gemeint. Erklären brauche ich das bei meinen Aufführungen in Deutschland nicht – es ist erstaunlich, wie viel die Menschen durch den Schulunterricht über das englische Weihnachtsfest wissen.“

 

Aufgezeichnet von Tanja Bruckert / Foto: © Theater der Altstadt Stuttgart

 

Aufführungen im Wallgraben Theater (auf Englisch): 21. & 23.12., 20 Uhr, 22.12., 15 Uhr