Seit über 40 Jahren steht Armin Maiwald im Dienste der „Sendung mit der Maus“ – und der 73-jährige Kölner ist weit davon entfernt, sich zur Ruhe zu setzen. Jede Woche trudeln bis zu 2.000 Fragen von wissbegierigen Kindern in der WDR-Redaktion ein, die den Filmregisseur, Produzenten und Autor sowie seine Kollegen zu neuen „Sendungen mit der Maus“ inspirieren und zeigen, dass die Mission, qualitativ hochwertiges Kinderfernsehen zu machen, auf Gegenliebe bei den kleinen Zuschauern stößt. Nicht nur zu deren Vergnügen, sondern auch zu seinem eigenen begibt sich Armin Maiwald regelmäßig auf Sommerreise. Bereits zum sechsten Mal heißt es in diesem Jahr „Die Sendung mit der Maus – Sachgeschichten von unterwegs“, die das Erste ab 4. August an vier Sonntagen immer um 11.30 Uhr zeigt. 2013 hat es den Maus-Macher mit einem Schiff auf den Main verschlagen.

Armin Maiwald nimmt seine Zuschauer mit auf eine Deutschlandreise.

 

chilli: Sie waren in den letzten Jahren bereits zu Fuß, mit dem Fahrrad, Auto, Bummelzug und Boot auf Sommerreise. Nun hätte eigentlich ein Blick aus dem Flugzeug auf Deutschland folgen können. Stattdessen begaben Sie sich erneut aufs Wasser und erkundeten diesmal den Main mit dem Schiff …
Armin Maiwald: Aus der Vogelperspektive wäre die Sommerreise zu teuer geworden, weil man etliche Flugzeuge hätte chartern müssen. Nachdem wir vor ein paar Jahren nur teilweise auf der Elbe unterwegs waren, haben wir in diesem Jahr die komplette Tour mit dem Schiff gemacht.

chilli: Gab es Probleme mit Seekrankheit?
Maiwald: Ein Schiff schaukelt natürlich die ganze Zeit ein bisschen. Am dritten oder vierten Tag ging ich abends mal von Bord. Als ich dann auf dem Topf saß, dachte ich plötzlich: „Huch, warum dreht sich denn das Badezimmer?“ Aber das war schnell vorbei.

chilli: Sie mögen es also, durch Deutschland zu schippern oder reisen Sie lieber mit einem anderen Fortbewegungsmittel?
Maiwald: Ein Schiff hat zwar seine Eigenheiten, und die Reise damit ist völlig anders, als wenn man zum Beispiel mit dem Auto unterwegs ist. Man kann nicht einfach am Straßenrand stehenbleiben und sich etwas anschauen oder ein Mittagessen in einer Raststätte ordern – aber ich fand es schön an Bord. Wir waren auf einem zwölf Meter langen Motorschiff unterwegs, das mit Schlafräumen und einer kleinen Küche ausgestattet war – und weil wir Glück mit dem Wetter hatten, konnten wir oft an Deck sitzen und die Aussicht genießen.

chilli: Welche gefiel Ihnen am besten?
Maiwald: Vor der Sommerreise, die von Bamberg bis nach Mainz führte, war mir nicht bewusst, dass der Main im ganzen Oberlauf fast durchgängig unglaublich grün ist – das sah toll aus. Es kam mir manchmal so vor, gar nicht in Deutschland zu sein, sondern auf dem Amazonas zu schwimmen. Sowieso ist der Blick vom Wasser aufs Land nochmal etwas ganz anderes, als wenn man beispielsweise mit dem Auto durchs Land fährt – es lohnt sich, sich Deutschland vom Wasser aus anzusehen.

chilli: Welche Geschichten sind bei dieser Sommerreise für die „Sendung mit der Maus“ entstanden?
Maiwald: Wir haben uns zum Beispiel zeigen lassen, wie Schleusen funktionieren, ein Fluss unter einem anderen durchgeführt oder der Main sauber gehalten wird. Da sind spannende Sachen bei herausgekommen.

chilli: Man merkt Ihnen an, dass Sie nach all den Jahren noch immer großen Spaß an Ihrer Arbeit haben.
Maiwald: Ja klar, sonst würde ich es auch nicht mehr machen. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, dem das Gefühl „Das kenne ich schon, das habe ich alles schon erlebt“ fremd ist. Ich entdecke jeden Tag wieder etwas Neues. Auf der Sommerreise bin ich zum Beispiel in eine Staustufe hineingeklettert. Das war aufregend und eine persönliche Bereicherung. Deshalb denke ich nicht ans Aufhören.

chilli: Aber Ihre Frau beschwert sich doch bestimmt manchmal, dass Sie zu viel arbeiten?
Maiwald: (lacht) Ja, da sagen Sie was! Sie belatschert mich immer mal wieder, mehr Urlaub zu machen. Das ist aber wegen der vielen Arbeit immer ein bisschen schwierig. Aber ab und zu kriegen wir das hin und fliegen dann zum Beispiel nach Ägypten oder in die Türkei, wenn es in Deutschland kalt ist.

chilli: Tun Sie sich schwer damit, Arbeit an andere abzugeben?
Maiwald: Ich habe kein Problem damit, Sachen an andere zu delegieren. Seit ein paar Jahren habe ich auch einen jüngeren Geschäftspartner, der selbstständig arbeitet. Aber trotzdem bleibt für mich eine Menge zu tun.

Armin Maiwald (rechts) ist mit Kameramann Kai von Westerman (Mitte) und Tonmeister Peter Torringen auf Kurs Richtung Frankfurt.

 

chilli: Auch, weil Sie einer der wenigen sind, die qualitativ hochwertiges Kinderfernsehen machen. Oder fallen Ihnen positive Beispiele anderer Produktionen ein?
Maiwald: Tja, schwierig. Die meisten Sachen sind nicht in Ordnung und lieblos gemacht. Da merkt man, dass der Kommerz dahinter steht. Damit habe ich große Schwierigkeiten. Mehr sage ich dazu lieber nicht.

chilli: Hätten Sie sich gewünscht, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn in Ihre Fußstapfen tritt?
Maiwald: Ja, aber beide wollen leider nicht.

chilli: Aber die „Sendung mit der Maus“ haben die beiden regelmäßig geschaut?
Maiwald: Ja klar! Sie waren mal mehr, mal weniger begeistert.

chilli: Dann hatten Sie ja die Zielgruppe als Kritiker zu Hause …
Maiwald: Es waren keine Testkinder. Die haben freiwillig die Sendung angeschaut und wenn sie keine Lust mehr hatten, aufgehört. Aber meine Tochter hat mal eine tolle Frage gestellt, aus der wir dann eine Reportage gemacht haben. Als sie drei Jahre alt war fragte sie im Urlaub: „Wie kommt eigentlich der Sand an den Strand?“

chilli: In der „Maus“-Redaktion treffen wöchentlich bis zu 2.000 Kinderfragen ein – haben Sie einen persönlichen Liebling?
Maiwald: Ja! „Woher weiß die Kopfschmerztablette, wo sie wirken muss, obwohl sie doch hinuntergeschluckt wird und im Magen landet?“ Eine weitere, tolle Frage, die wir demnächst beantworten wollen, lautet: „Wie wiegt man eine Wolke?“ Schwieriges Thema, aber das werden wir auch wieder irgendwie hinkriegen.

chilli: Da kommt die Kölner Gelassenheit in Ihnen durch. Ist Ihre Heimatstadt auch Ihr Lieblingsort?
Maiwald: Ja, Köln ist eine sehr lebenswerte Stadt. Ich bin viel herumgekommen, aber wenn ich dann bei der Heimkehr die Domtürme sehe, da denke ich: „Ach ja, jetzt bist du wieder zu Hause!“ Außerdem sind die Kölner richtig schön verrückt. Köln ist ein Biotop für Bekloppte!

chilli: Sie sind sehr heimatverbunden. Machen Sie deshalb auch immer die Sommerreise durch Deutschland?
Maiwald: Ja, auch. Aber vor allem ist die Sendung für die Kinder gedacht, die in den Sommerferien zu Hause geblieben sind. Sie sollen sehen, dass Deutschland ein sehr schönes und abwechslungsreiches Land ist, das Ecken zu bieten hat, von denen man gar nicht glaubt, dass es die in Deutschland gibt.

Fotos: WDR / Bettina Fürst-Fastré, Flash Film
Quelle: teleschau – der mediendienst