Out of Oberpfalz

 

spielt in der ARD-Komödie „Schon wieder Henriette“ (Do., 19.12., 20.15 Uhr) und in der ZDF-„Küstenwache“ (Mi., 11.12., 19.35 Uhr)

 

Ein Mädchen aus der Oberpfalz macht Karriere: Nach dem Gewinn der Casting-Show „Germany’s Next Topmodel“ strebt Barbara Meier nun mit Macht und großem Ehrgeiz ins Schauspielfach.
Drei Stunden, 59 Minuten, 37 Sekunden. Eine Spitzenzeit – zumal für jemanden, der zuvor noch nie einen Marathon lief. Anfang November knackte Barbara Meier beim großen Lauf-Event in New York gleich mal die magische Vier-Stunden-Marke. Was mindestens zweierlei zeigt: Die 27-jährige Wahl-Münchnerin, die aus Amberg in der Oberpfalz stammt, scheint äußerst ehrgeizig zu sein und ganz buchstäblich einen langen Atem zu haben. Beides Eigenschaften, die dem erfolgreichen Model sicher helfen werden beim Bemühen, sich als Schauspielerin zu etablieren. 2011 debütierte die Gewinnerin der zweiten „Germany’s Next Topmodel“-Staffel im ProSieben-Mystery-Film „Schreie der Vergessenen“. Zuletzt machte sie am ZDF-Vorabend bei „Notruf Hafenkante“ Station und hinterlässt nun im Ersten an der Seite von Schauspielschwergewichten wie Christiane Hörbiger und Rüdiger Vogler einen bleibenden Eindruck: als charmante Tatverdächtige in der Krimikomödie „Schon wieder Henriette“ (Donnerstag, 19. Dezember, 20.15 Uhr).

Ihr ist bewusst, "dass es nur in kleinen Schritten gehen kann". Dennoch strebt Barbara Meier nun mit Macht ins Schauspielfach - im ARD-Film "Schon wieder Henriette" hinterlässt sie bleibenden Eindruck.

 

chilli: Sie kommen gerade aus New York …
Barbara Meier: Stimmt, ich nutze die Zeit für ein Schauspiel-Coaching, nachdem ich Anfang November den New-York-Marathon lief.

 

chilli: Man liest von einer Zeit unter vier Stunden. Haben Sie sich selbst überrascht mit der Leistung?
Meier: Ehrlich gesagt ja. Nach der Hälfte der Distanz merkte ich, dass ich wahnsinnige Schmerzen im Knie habe, die sich sehr ähnlich anfühlten wie der Meniskusriss, den ich vor ein paar Jahren hatte. Ich dachte, dass ich gar nicht ankommen würde und war dann von der Zeit absolut verblüfft. Auch weil ich beim Start vergessen hatte, meine Uhr einzuschalten und somit keinen Überblick über meine Zeit hatte.

 

chilli: Hat Sie die Kulisse abgelenkt?
Meier: Die Stimmung in New York ist der Wahnsinn! Ich lief zuvor den Halbmarathon in München. Da waren zwar auch viele Zuschauer, aber bei denen hatte ich das Gefühl, die feuern jeweils ihre Freunde und Bekannten an und alle anderen eher nicht. Der New-York-Marathon ist hingegen ein riesiges Straßenfest. Da stehen Tausende am Rand und rufen einem zu: „Du schaffst es! Du siehst toll aus!“ Und ausgerechnet in der Bronx, einer ärmeren Gegend, brachten die Menschen Obst und Getränke an die Strecke.

 

chilli: Trotzdem stellt sich die Frage: Warum taten Sie sich so eine Tortur an?
Meier: Den Anstoß gaben Freunde, die schon mal Marathon liefen und mir sagten: „Schön, dass Du Sport machst. Aber einen Marathon wirst Du nie schaffen!“ Das habe ich zunächst auch geglaubt. Aber ab da war mein Ehrgeiz geweckt. Anfangs lief ich neben meinem Vater beim Spazierengehen her. Mein Tempo war das gleiche. Ich steigerte mich dann langsam. Es war fast schon eine spirituelle Erfahrung zu merken: Selbst wenn niemand glaubt, dass man es schaffen kann, lässt sich ein großes Ziel erreichen. Indem man an sich glaubt und jeden Tag in kleinen Schritten dranbleibt.

 

chilli: Spiegelt sich darin Ihre Mentalität: dass sie sich Ziele im Leben setzen und die mit großer Ausdauer auch erreichen?
Meier: Das ist mir jetzt durchs Laufen erst bewusst geworden, dass ich die Dinge oftmals so angehe. Es stimmt schon. Ich war immer sehr fleißig. Auch schon in der Schule: Da war ich eine kleine Streberin, die lieber ein bisschen zu viel gelernt hat als zu wenig. (lacht)

 

chilli: Kennen Sie dann überhaupt das Gefühl zu scheitern?
Meier: Natürlich. Gerade beim Modeln muss man sich an den Zustand gewöhnen. Von der Schule und dem Studium war ich gewohnt: Je mehr ich lerne, desto besser können meine Ergebnisse sein. Das ist in der Modelwelt nicht so. Da kann ich so gut sein, wie ich will. Wenn ein blondes Mädchen gesucht wird, liegt es nicht in meiner Hand.

 

chilli: Eine frustrierende Erfahrung?
Meier: Frustrierend nicht, aber neu und ungewohnt. Man muss andere Wege finden zu bekommen, was man will. Darüber hinaus ist es eine wertvolle Erfahrung, auch mal mit seinen Wünschen zu scheitern.

"Ich würde privat zu niemandem 'Arschloch' sagen": Barbara Meier hat nicht ganz das aufbrausende Temperament ihrer Rolle in "Schon wieder Henriette".

 

chilli: Mit der Schauspielerei konnten Sie sich nun aber wieder einen Wunsch erfüllen. Die Engagements werden zahlreicher …
Meier: Auch da war mir bewusst, dass es nur in kleinen Schritten gehen kann. Natürlich habe ich das Ziel, irgendwann in einem Kinofilm mitzuspielen. Aber ich fing klein an, machte eine Grundausbildung in New York, nahm Coachingstunden, spielte in Kurzfilmen und Studentenprojekten mit …

 

chilli: Zuletzt landeten Sie am Set der ARD-Komödie „Schon wieder Henriette“, wo Sie auf Koryphäen wie Christiane Hörbiger, Rüdiger Vogler oder Erwin Steinhauer trafen. Wie fühlt man sich da als Newcomer?
Meier: Ich hatte und habe großen Respekt vor Frau Hörbiger, da habe ich mich als Anfängerin erst einmal sehr klein gefühlt. Sie stand 1955 das erste Mal vor einer Kamera. Wahnsinn! Ich glaube zwar nicht, dass sie mich aus „Germany’s Next Topmodel“ kannte, aber sie wusste, dass ich Anfängerin bin. Sie hat mich wahnsinnig herzlich, freundlich und respektvoll aufgenommen und mir durch ihre offene Art viel geholfen. Das sieht man oft: Wenn Leute wirklich erfolgreich sind in ihrem Beruf, sind sie Anfängern gegenüber nicht herablassend.

 

chilli: Man sieht Sie im Film als Temperamentsbündel, das gleich mal eine Szene auf einer Party macht und anschließend fluchend gegen Mülltonnen tritt. Entspricht so ein Auftritt Ihrem Naturell?
Meier: Überhaupt nicht! Ich würde privat zu niemandem „Arschloch“ sagen. Es fällt mir sogar jetzt schwer, den Ausdruck in einem Interview zu zitieren. (lacht) Das bin einfach nicht ich. Ich streite auch nicht lautstark und schreie niemanden an. Sie können sich vorstellen, dass das eine interessante Erfahrung war: In der Szene die Sie ansprechen, musste ich vor 40, 50 Statisten einen Schreikrampf simulieren. Da entdeckt man Seiten an sich, die man vorher gar nicht kannte.

 

chilli: Welche Seite leben Sie denn bevorzugt aus: die rationale, kontrollierte, wie man sich das bei einer ehemaligen Mathematikstudentin vorstellt?
Meier: Zu einem gewissen Teil, ja. Während meines Mathe-Studiums verbrachte ich zwei Jahre am Stück damit, ausschließlich logisch zu denken. Die Mode- und Filmwelt verlangt einem natürlich ganz anderes ab. Gerade im Schauspiel arbeitet man mit Impulsen und Emotionen. Trotzdem bin ich froh, dass ich meine rationale Seite auch noch habe.

 

chilli: Sind Sie auch ein familiärer Mensch?
Meier: Ja! Durch meine vielen Termine und das viele Reisen sehe ich meine Familie leider nicht so oft. Je länger ich von ihr getrennt bin, wie jetzt durch New York, desto schwerer fällt mir das.

In den Fängen von Terroristen: Barbara Meier und Ralph Kretschmar spielen das frisch verliebte Paar Alina und Nils in der ersten von neuen Folgen der ZDF-"Küstenwache" (Mittwoch, 11. Dezember, 19.35 Uhr).

 

chilli: Wo ist für Sie zu Hause?
Meier: Schwierig. Wenn ich in Berlin auf einer Party bin, sage ich zur Verabschiedung: „Ich geh jetzt heim“, meine aber das Hotel. Mein Zuhause ist eigentlich immer da, wo mein Bett steht. Aber „dahoam“, wie die Bayern sagen, ist immer noch Amberg. Wenn ich dort bin, bleibt alles andere draußen.

 

chilli: Schwebt Ihnen auch schon eine eigene Familie vor?
Meier: Ich möchte auf jeden Fall eine Familie und Kinder haben. Irgendwann möchte ich ankommen.

 

chilli: Wann ist „irgendwann“?
Meier: Das wird sich zeigen. Früher glaubte ich ganz genau zu wissen, wie mein Leben ablaufen wird: Ich studiere vier, fünf Jahre, dann arbeite ich, dann heirate ich, baue ein Haus und kriege ein Kind. Und plötzlich veränderte sich mein Leben innerhalb von fünf Minuten komplett: Ich wurde in einem Einkaufszentrum angesprochen, ob ich nicht bei „Germany’s Next Topmodel“ mitmachen will. Plötzlich war ich nicht mehr in der Oberpfalz, sondern reiste durch die Welt. Ich kannte das gar nicht: Zuvor saß ich überhaupt nur zweimal in einem Flieger. Mein Fazit: Man kann sein Leben nicht komplett planen. Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren.

 

chilli: Wenn morgen der Mann fürs Leben vor der Tür steht …
Meier: … wird sich sicher einiges verändern. Wenn er erst in sechs, sieben Jahren kommt, ist’s auch okay. Man sollte sich nicht unter Druck setzen.

 

chilli: Leichter gesagt als getan bei so viel Terminstress.
Meier: Das stimmt. Aber ich sage nicht: „Karriere über alles!“ Ich nehme mir gerne Zeit für die Liebe, wenn sie da ist.

 

Text: Jens Szameit / Fotos: ARD / Monafilm / Oliver Roth; ZDF / Christine Schroeder
Quelle: teleschau – der mediendienst