„Schreiben ist meine Therapie“

„Ich wusste, dass ich Schreiben liebe!“ Dieses „Wissen“, das wohl eher weibliche Intuition war, genügte Cecelia Ahern, um mit 21 Jahren ihr Studium nach nur zwei Tagen hinzuwerfen und ihren ersten Roman „P.S.: Ich liebe dich“ zu schreiben. Ein weltweiter Bestseller, dem zehn weitere Werke (das aktuellste, „Die Liebe deines Lebens“ erschien im Oktober 2013) folgten und Frauen auf der ganzen Welt mit folgendem Erfolgsrezept begeisterte: Starke Protagonistin begibt sich auf die Suche nach sich selbst und findet dabei ihr Liebes- und Lebensglück. An dieser Formel änderte die mittlerweile 32-jährige Irin auch in den exklusiv fürs „ZDF-Herzkino“ am Sonntagabend verfassten Vorlagen für die TV-Dramen „Zwischen Himmel und hier“ (09.02., 20.15 Uhr) und „Mein ganzes halbes Leben“ (02.03., 20.15 Uhr) nichts. Wieso sollte sie auch? Schließlich erwarten die Zuschauer am Sonntag um 20.15 Uhr im Zweiten stets ganz viel Gefühl.

Entspannt: Cecelia Ahern beim Interview in Hamburg.

 

chilli: Ihre Romane und nun auch die beiden von Ihnen geschriebenen ZDF-Filme erwecken den Anschein, dass unser Schicksal bereits vorgeschrieben ist. Ist das Ihre persönliche Überzeugung?
Cecelia Ahern: Ich glaube nicht, dass gewisse Dinge in jeden Fall geschehen werden – egal, was man tut. Es gibt immer mehrere Wege, die man gehen könnte, und man muss sich für den richtigen entscheiden. Du wirst zum Beispiel nicht den Mann deiner Träume treffen, wenn du niemals das Haus verlässt und frustriert auf deinem Sofa sitzen bleibst. Du musst aktiv sein – in allen Lebensbereichen und die Dinge in die Hand nehmen, sonst passiert gar nichts!

 

chilli: Ein bisschen Glück und positives Denken können beim Erreichen der eigenen Ziele also nicht schaden, oder?
Ahern: Ich bin überzeugt, wenn jemand denkt: „Ach, alles ist Mist, und alles wird schiefgehen“, dann geht es auch schief, weil man mit seinen negativen Gedanken das Negative anzieht. Wenn man hingegen positiv denkt, Gelegenheiten, die sich einem bieten, beim Schopfe packt und sich Ziele steckt und hart dafür arbeitet, dann kann man sie auch erreichen. Jeder kann seine Lebensqualität verbessern, indem er Verantwortung für sein Leben und sein Handeln übernimmt. Viele Menschen tun das nicht, sondern schieben die Schuld für ihre Probleme und Sorgen anderen Leuten in die Schuhe oder nehmen Situationen als gegeben hin, anstatt zu versuchen, sie zu verändern.

 

chilli: Zu diesen Menschen gehören Sie nicht. Mit 21 schmissen Sie Ihr Studium nach nur zwei Tagen und begannen, Ihren ersten Roman zu schreiben. Waren Sie so überzeugt von Ihrem Talent, oder was hat Sie zu diesem riskanten Schritt bewegt?
Ahern: Ich weiß auch nicht, was da in mich fuhr. Ich nenne diese Phase meine „Quarter-Life-Crisis“. Ich fragte mich damals: Wer bin ich wirklich? Und versuchte, herauszufinden, wo ich hin will in meinem Leben. Nur eines wusste ich ganz sicher: dass ich das Schreiben liebe. Ich liebe es auch, wenn mir Menschen etwas schreiben. Das kann ein Brief sein oder auch ein kleiner Zettel. Für mich sind geschriebene Worte wertvoll, weil sie direkt von Herzen kommen, und ich bewahre sie auf wie einen Schatz – für immer.

 

chilli: Wie kamen Sie dann auf die Idee für Ihren Welterfolg „P.S.: Ich liebe dich“?
Ahern: Mich beschäftigte seinerzeit die Angst, dass ich einen lieben Menschen verlieren könnte, sehr. Und in meiner Traurigkeit dachte ich auch darüber nach: „Was wäre, wenn jemand der stirbt, jemandem Briefe hinterlässt?“ Und dann konnte ich nicht mehr aufhören zu schreiben! Es war unglaublich! Dieses Buch veränderte mein ganzes Leben. Ich sorgte also aktiv dafür, dass mein Leben, mit dem ich aus irgendeinem unerklärbaren Grund unzufrieden war – denn eigentlich hatte ich alles: einen tollen Mann und ein tolles Studium – sich veränderte.

Lässt sich gerne mal am Meer inspirieren: Cecelia Ahern in ihrer Heimat Irland

 

chilli: Der Protagonistin im ZDF-Herzkino-Film „Zwischen Himmel und hier“ geht es ähnlich: Sie lebt mit ihrem Freund in München. Doch sie spürt, dass sie woanders hingehört und findet schließlich ihr Glück in Irland.
Ahern: Genau. Sie fühlt sich, als gehöre sie nirgendwo hin und passe nirgendwo hinein – und begibt sich auf die Suche nach sich selbst.

 

chilli: Yvonne Catterfeld spielt die Hauptrolle in „Zwischen Himmel und hier“ und Julia Richter in „Mein ganzes halbes Leben“. Haben Sie die beiden Schauspielerinnen kennengelernt und sind Sie zufrieden mit der Besetzung?
Ahern: Leider konnte ich Julia nicht kennenlernen, aber Yvonne. Sie ist so lovely und sehr talentiert. Wir hatten Spaß zusammen. Ich bin sehr froh über die Besetzung!

 

chilli: Auch über die männlichen Darsteller?
Ahern: Ja!!! (lacht) Und nicht nur über meinem Mann David Keoghan, der ja auch mitspielt. Er hat eine kleine Rolle ergattert.

 

chilli: Wo haben Sie ihn kennengelernt?
Ahern: Das war ganz unromantisch in einer Diskothek. Einige seiner Freunde kannten meine Freunde, mit denen ich da war. Er fragte mich noch am selben Abend, ob wir ausgehen. Zuerst habe ich „Nein“ gesagt! (lacht) Doch ein paar Wochen später bin ich ihm zufällig nochmal begegnet, und dann habe ich mich glücklicherweise auf ein Date mit ihm eingelassen. Jetzt sind wir schon über zehn Jahre glücklich miteinander.

 

chilli: Was ist Ihr Liebesgeheimnis?
Ahern: Es gibt keines. Jedes Paar muss für sich selbst herausfinden, was das Richtige ist. Das Wichtigste ist, dass man nicht versucht, seinen Partner zu verändern. Ich versuche nicht, meinen Mann David zu verändern, auch er lässt mich so sein, wie ich bin – obwohl wir total unterschiedlich sind.

 

chilli: Sie haben auch zwei gemeinsame Kinder, hat das Muttersein Sie und Ihre Arbeit verändert?
Ahern: Ja, total! Bevor ich Kinder hatte, war mein Leben ganz anders. Ich schrieb oft nachts und lebte wie ein Bohemian. Es gab keine Work-Life-Balance, sondern nur Arbeit, Arbeit, Arbeit. Seitdem die Kinder da sind, arbeite ich nicht mehr von zu Hause aus, sondern gehe ganz normal von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr ins Büro, und dann gehe ich nach Hause und verbringe Zeit mit meiner Familie. Dadurch arbeite ich wesentlich fokussierter und effizienter. Fast so effizient wie ihr Deutschen.

 

chilli: Mögen Sie Deutschland?
Ahern: Ja, die Menschen hier sind sehr freundlich, und alles ist so schön sauber und ordentlich. Ich mag vor allem München sehr. Es gibt so viel Kultur in der Stadt und viele tolle Gebäude. Aber am meisten imponiert mir, dass die Deutschen so effizient sind. In diesem Punkt sind Deutsche und Iren sich ähnlich.

"So lovely": Yvonne Catterfeld in der "ZDF-Herzkino"-Produktion "Cecelia Ahern: Zwischen Himmel und hier".

 

chilli: Haben Sie noch weitere Gemeinsamkeiten festgestellt, als Sie in Deutschland waren?
Ahern: Dieselbe Vorliebe fürs Biertrinken! (lacht)

 

chilli: Finden Sie neben den vielen beruflichen Reisen überhaupt noch Zeit für privaten Urlaub?
Ahern: Ja, aber leider viel zu selten. Wir fliegen jeden Sommer nach Portugal und im Winter nach Dubai. Durch meine Arbeit fliege ich ja in der ganzen Welt herum. Privat schaue ich immer nach familienfreundlichen Orten.

 

chilli: Sprechen Sie andere Sprachen?
Ahern: Leider nicht. Von meinem Schulfranzösisch ist nichts mehr übrig geblieben. Aber ich sollte andere Sprachen lernen! Wir alle sollten Chinesisch lernen.

 

chilli: Sie arbeiteten bereits als Sängerin und Tänzerin …
Ahern: Ja! Ich habe in Tanzshows getanzt und auch Pantomime gemacht.

 

chilli: Jetzt singen Sie gar nicht mehr, noch nicht einmal unter der Dusche?
Ahern: Nein. Nur noch für meine Kinder. Ehrlich gesagt: So talentiert war ich auch gar nicht. Ich habe zwar Geld damit verdient, aber mein Können hätte niemals für eine ganz große Karriere gereicht. Meine wahre Berufung habe ich dann mit dem Schreiben gefunden.

 

chilli: Was bedeutet das Schreiben für Sie persönlich?
Ahern: Ich liebe es einfach! Ich schreibe jedes Jahr ein Buch – weil ich es laut Vertrag muss! Aber selbst wenn ich vertraglich nicht dazu verpflichtet wäre, würde ich immer schreiben. Zum Beispiel hatte ich im August einmal einige Stunden Freizeit nur für mich allein. Was tat ich? Ich setzte mich ans Meer – und schrieb etwas, was mir durch den Kopf ging. Ganz ungeplant. Es überkommt mich einfach. Vieles, das ich schreibe, bekommt aber nie jemand zu lesen. Das schreibe ich nur für mich. Damit ordne ich meine Gedanken – es ist wie eine Therapie.

Julia Richter spielt im "ZDF-Herzkino"-Film "Cecelia Ahern: Mein ganzes halbes Leben".

 

chilli: Woher nehmen Sie immer all die Ideen für neue Romane? Werden diese von wahren Begebenheiten und Personen inspiriert?
Ahern: Es ist ein Mix aus vielen Dingen: Fantasie, Realität … Aber ich habe noch nie gedacht: „Oh Person xy kommt in mein nächstes Buch.“ So läuft das bei mir nicht. Oft habe ich einen Titel für einen Roman im Kopf, aus dem sich dann eine Idee entwickelt. Das kann auch ein Lied sein, das mich in eine bestimmte Stimmung versetzt. Oder ein Gedankenaustausch, bestimmte Gesten von Personen, die in mir etwas hervorrufen. Vor allem meine Kurzgeschichten sind viel von meiner aktuellen Stimmung beeinflusst: was ich gerade fühle, welchen Schmerz ich empfinde oder wie ich das Leben sehe. Zum Beispiel schrieb ich vor einigen Wochen eine Kurzgeschichte die „Guilt“, also „Schuld“, heißt. Ich selbst reise viel, habe jede Menge Arbeit, bin Mutter und Ehefrau – und muss zusehen, dass ich alles unter einen Hut kriege. Das gelingt natürlich nicht immer, und dann fühle ich mich oft schuldig! Meine Protagonistin in der Geschichte versucht auch, es allen recht zu machen. Sie fühlt sich aber aus anderen Gründen schuldig. Aber das Basisgefühl ist dasselbe: Schuld. Aus meiner Grundstimmung entwickelte sich also die Story.

 

chilli: Sie haben also keine Probleme, sich neue Geschichten auszudecken?
Ahern: Nein, zum Glück nicht! (klopft auf Holz) Im Gegenteil: Mein Kopf ist voll mit Ideen. In der Regel habe ich kurz vor dem Schreibbeginn eines neuen Romans immer zwei Ideen im Kopf und muss mich dann für eine entscheiden.

 

chilli: Sehen Sie den Roman „Die Liebe deines Lebens“ als Liebeshilfe? Durch den englischen Titel „How to fall in love“ und die einzelnen Kapitelüberschriften, die alle mit „How to“ beginnen, wirkt das Buch wie ein Beziehungsratgeber.
Ahern: Ich will mit dem Titel und diesen Kapitelüberschriften ein bisschen provozieren, weil ich nicht der allergrößte Fan von „How to“-Ratgebern bin. Denn die Leser dieser Bücher müssen doch bei der Lektüre immer denken, dass sie bisher alles falsch gemacht haben und nun den Tipps des Autors folgen müssen, um endlich auf den richtigen Pfad zu kommen. Aber sie haben nicht versagt! Jede Person und jeder Lebensweg ist anders – und richtig! Ein Ratgeberbuch kann also gar nicht allgemeingültige Tipps geben. Vor allem darf der Leser dabei nicht denken müssen, dass er ein Loser ist.

Beruflich und privat angekommen: Cecelia Ahern mit ihrem Ehemann David Keoghan

 

chilli: Dabei könnten Sie durchaus Lebens- und Liebesratschläge geben: Schließlich sind Sie mit 32 Jahren eine glücklich verheiratete Frau mit zwei Kindern und eine weltweit erfolgreiche Bestsellerautorin. Haben Sie nicht doch einen Tipp für Singlefrauen, die auf der Suche nach der Liebe ihres Lebens sind?
Ahern: Die wichtigste Dating-Regel lautet: Es gibt keine Regeln! Ich habe eine sehr gute Freundin, die Single ist und sich ständig solchen bescheuerten Regeln unterwirft à la: „Ich darf mich nicht zuerst bei einem Mann melden!“ Das ist doch Quatsch! Mein Tipp ist: Verhalte dich einem Mann gegenüber so, wie du dich auch Freunden gegenüber verhältst. Hattest du zum Beispiel einen schönen Abend mit ihm, schreib ihm ebenso eine „Danke für den schönen Abend“-SMS, wie du sie auch einer guten Freundin schicken würdest. Spiel keine dummen Spiele! Sei einfach so, wie du bist! Schließlich willst du ja auch, dass sich jemand in dich und deine Persönlichkeit verliebt und nicht in eine Rolle, die du spielst.

 

Text: Vanessa Schwake / Fotos: ZDF / Barbara Bauriedl / Dirk Bartling
Quelle: teleschau – der mediendienst