Mit Humor und Schokolade

 

Eigentlich heißt sie ja Elizabeth Mitchell. Doch um Verwechslungen mit der gleichnamigen „Lost“-Schauspielerin zu vermeiden, tauschte sie ihren Nachnamen kurzerhand gegen das kurze, griffige „Banks“. Verwechslungsgefahr dürfte inzwischen nicht mehr bestehen: Mit Hauptrollen in Komödien wie „Jungfrau (40), männlich, sucht ?“, „Zack and Miri Make a Porno“ oder „Was passiert, wenn’s passiert ist“ machte sich Elizabeth Banks in Hollywood einen eigenen Namen. Seit einigen Jahren mischt die mittlerweile 40-Jährige im Business auch als Produzentin mit, im Mai 2015 wird ihr Langfilm-Regiedebüt „Pitch Perfect 2“ in die Kinos kommt. Doch jetzt will in Berlin erst einmal der Kinostart des dystopischen Kinospektakels „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ am 20. November beworben werden: Darin steht sie als Effie Trinket erneut Katniss Everdeen, der Rebellin wider Willen, zur Seite.

Eigentlich kam Elizabeth Banks' Figur Effie im dritten Teil der "Panem"-Buchreihe gar nicht mehr vor ...

 

chilli: Mrs. Banks, Ihre Effie Trinket ist eine sehr spezielle Figur in „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“. Sie scheint wie ein Funke inmitten sich bekriegender Völker unverdrossen zu glitzern.
Elizabeth Banks: Sie bringt Licht in diese düstere Lage. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, warum ich eingeladen wurde, zurückzukommen.

 

chilli: Tatsächlich kommt die Figur im abschließenden Teil der Buchvorlage von Suzanne Collins gar nicht mehr vor.
Banks: Im Prinzip habe ich die Rolle der Fulvia, Plutarchs rechter Hand, in „Mockingjay“ übernommen. Mit Effie transportieren wir die Geschichte der ersten beiden Teile dank ihrer Verbindung zu Hauptheldin Katniss Everdeen mit hinüber in den Film.

 

chilli: Ließ Ihnen das besondere Freiheit in der Gestaltung Ihrer Rolle?
Banks: Absolut. Wir haben ein ganzes Leben für Effie entwickelt. Ich war in diesen Prozess eingebunden und fühle mich wie ein Partner in diesem kreativen Prozess. Suzanne Collins hat in ihrer Vorlage nie jemand vorgesehen, der so eine starke Transformation durchmacht, wie es Effie jetzt tut.

Auch wenn sie nicht so modeverrückt ist wie ihre Effie in "Catching Fire" (auf DVD und BD erhältlich), weiß Elizabeth Banks: "Menschen brauchen Mode, sie drücken so ihre Einzigartigkeit aus."

 

chilli: Effie bringt ein wenig Glamour in das Dasein der Widerstandskämpfer im totalitären Panem. Was würde Elizabeth Banks in eine düstere Welt bringen?
Banks: Sinn für Humor. Humor hilft in jeder Situation. Menschen lieben es zu lächeln, auch wenn ihre Lage noch so schwierig ist. Dazu würde ich Süßigkeiten und Schokolade mitbringen.

 

chilli: Sind Sie wie Ihre Effie ein modischer Mensch? In den ersten beiden Filmen ist sie ein echter Paradiesvogel …
Banks: Nicht so sehr. Vermutlich kann Effie sehr leicht als künstlich wahrgenommen werden. Ich denke aber unbedingt, dass Schönheit und Mode wichtig sind. Mode ist ein Weg, sich selbst zu verschönern – und das machen wir schon immer. Menschen brauchen es, sie drücken so ihre Einzigartigkeit aus. Wir bewundern Schönheit seit Menschengedenken. Wahrscheinlich liegt Effie gar nicht so falsch damit, dass einer der Gründe für den Erfolg von Katniss Everdeen der ist, dass sie die bestangezogene Rebellin ist. Sie ist eine hübsche junge Frau! Menschen können sie bewundern.

Zuletzt war Elizabeth Banks in der Komödie "Mädelsabend" (auf DVD und BD erhältlich) zu sehen.

 

chilli: Die Macht des Bildes ist ein zentrales Thema im Film. Es gibt darin eine Szene, in der Rebellen exekutiert werden. Aufnahmen wie die, die in den Nachrichtensendungen inzwischen leider sehr oft gezeigt werden.
Banks: Vielleicht sehen wir solche Bilder nicht oft genug. Man muss die Menschen manchmal daran erinnern, was es bedeutet, im Krieg zu sein. Du musst das Geschehen auf eine persönliche Ebene bringen. Die Menschen vergessen es sonst. Menschen zu kritischen Menschen zu machen, ist ein Anspruch der „Tribute von Panem“. Wir glorifizieren mit den Filmen in keinerlei Weise Gewalt. Katniss wurde in die blutigen Machtspiele hineingezogen. Sie würde niemanden töten, der nicht versucht, sie zu töten. Sie würde lieber friedliche Lösungen finden und weiß auch nicht, was sie tun soll. Sie hätte gern, dass wir netter zueinander sind.

 

chilli: Die Filme thematisieren auch die Probleme der Demokratie. Was denken Sie über die Staatsform?
Banks: Wir Amerikaner haben die Demokratie nicht erfunden, wir haben uns das Konzept von den Griechen und Römern abgeschaut. Die Idee, dass uns Menschen repräsentieren und Kontrolle in unser Leben bringen, erklärt die Faszination solcher dystopischen Konstrukte, wie sie in der „Panem“-Reihe vorgestellt werden.

 

chilli: All diese Konformität, der gemeinsame Gruß als Erkennungszeichen der Rebellen, das lässt sicher den ein oder anderen Deutschen aufgrund der Vergangenheit ein wenig erschaudern …
Banks: Es gibt sicherlich Parallelen, wie es sie auch zu anderen Gesellschaften gibt, wie zum Beispiel Nordkorea. Wir fühlen uns durch den Film an unsere Geschichte erinnert, weil er zeigt, wie leicht man in solche Muster verfallen kann. Wer zu viel Macht an eine Fraktion gibt, nimmt damit das Risiko in Kauf, dass diese missbraucht wird. Macht kann Verderben mit sich bringen.

Beim ersten Teil von "Pitch Perfect" (auf DVD und BD erhältlich) war Elizabeth Banks (hier mit John Michael Higgins) Nebendarstellerin und Produzentin. Mit dem zweiten Teil gibt sie im Mai 2015 ihr Langfilm-Regiedebüt.

 

chilli: Für die Saga über Katniss Everdeen konnten sich im Laufe der Reihe immer mehr hochkarätige Schauspieler begeistern – zuletzt stieß etwa Julianne Moore zum Cast. Motivierte das bei den Dreharbeiten zusätzlich?
Banks: Es war unglaublich. Die Arbeit mit all diesen großartigen Kollegen war für mich der Hauptgrund, in diesen Filmen mitzuspielen. Jeder ist perfekt für seine Rolle ausgesucht und macht seine Sache so gut. Das macht alle Beteiligten besser, weil keiner den anderen enttäuschen will. Gleichzeitig hatten wir Spaß miteinander. Meine liebsten Szenen waren die, in denen wir alle miteinander gespielt haben.

 

chilli: „Mockingjay“ ist einer der letzten Filme, an denen Philip Seymour Hoffman mitwirkte. Wie behalten Sie ihn nach seinem viel zu frühen Tod in Erinnerung?
Banks: In erster Linie als liebenden Vater seiner Kinder. Er war sehr hingebungsvoll ihnen gegenüber. Er war ein sehr großzügiger Mensch, eine wirklich tolle Person. Es ist schrecklich.

 

Text: Denis Demmerle / Fotos: © Studiocanal / David Dettmann Photography / Murray Close; Universum Film; Universal Pictures
Quelle: teleschau – der mediendienst