„Ich lache mit jedem Menschen gern“

Er habe immer gesagt, dass er spätestens ab seinem 50. Geburtstag medial kürzer treten wolle, beteuert Hape Kerkeling, der am 9. Dezember seinen 49. Geburtstag feiert. „Das bedeutet aber nicht, dass ich in Rente gehe. Es gibt viele andere schöne Dinge, die man tun kann.“ Zum Beispiel, so führt der Entertainer aus, einer Figur wie dem Schneemann Olaf im neuen Disney-Animationsfilm „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ (Start: 28.11.) die Stimme zu leihen.

Im Fernsehen macht sich Hape Kerkeling seit einiger Zeit rar: "Das bedeutet aber nicht, dass ich in Rente gehe."

 

chilli: Wie angekündigt haben Sie sich in den vergangenen Monaten im Fernsehen rar gemacht. Warum eigentlich, Herr Kerkeling?
Hape Kerkeling: Die Fernsehlandschaft hat sich dermaßen verändert. Als ich mit dem Fernsehen anfing, war es, als sei eine Fernsehshow eine Haute-Couture-Modenschau. Mittlerweile sind wir bei Prêt-à-porter. Nicht, dass ich glaube, ich sei mehr für Haute Couture, als für Prêt-à-porter geeignet. Ich habe sehr viel Prêt-à-porter gemacht! Aber das ist eine Entwicklung, die mir so nicht gefällt und deshalb bleibt es bei dem Ziel, das ich mir selbst so gesetzt habe. So kann ich mich mehr auf andere Projekte konzentrieren.

 

chilli: Ist das Rosinenpickerei im besten Sinne?
Kerkeling: Ja. Ich habe in den letzten 30 Jahren nicht nur Schrott gemacht. Das will ich damit gar nicht sagen. Alles was ich gemacht habe, habe ich gerne und mit voller Überzeugung gemacht. Es geht mir darum, meine Präsenz zurückzunehmen.

 

chilli: Aber für Schneemann Olaf machen Sie eine Ausnahme?
Kerkeling: Wenn Disney anfragt, kann man nicht „Nein“ sagen. Das ist wie ein Ritterschlag. Was die Figur in diesem romantischen Film so besonders macht, ist der Blick von Olaf auf das Geschehen. Er ist eine Art Kommentator des Geschehens. Der ist gesund naiv und trotzdem lebensklug und immer auf der Suche nach Frieden und Freundschaft. Die Konsequenz, mit der er das durchhält, die gefällt mir sehr. Die finde ich fast vorbildlich.

 

chilli: Disney-Filme begleiten uns durch unser Leben. Welcher ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Kerkeling: Bambi! Hach, da geht einem das Herz auf. Bambi, Das Dschungelbuch, Susi und Strolch, Cinderella …

 

chilli: Was genau war es bei Bambi?
Kerkeling: Da ist ein gezeichnetes Rehkitz, das in der Realität, ähnlich wie der Weihnachtsmann, nicht existiert. Trotzdem sind wir als Menschen fähig, für dessen Situation Empathie zu entwickeln. Ist das nicht phänomenal? Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen. Das ist eine unglaubliche Gabe, die jeder Mensch hat. Fast jeder. Ich bleibe bei fast jeder.

 

chilli: Der Tod von Bambis Mutter ist einer der traurigsten Momente der Disneyfilm-Geschichte. Können Sie im Kino weinen?
Kerkeling: Ja. Ich kann da nicht an mich halten. Wenn es ans Eingemachte geht, heule ich. Da muss man eben im Kino länger sitzen bleiben und warten. Hoffen, dass das Licht nicht zu schnell angeht. Ich habe auch bei der Vorführung von „Die Eiskönigin“ im Original Rotz und Wasser geheult. Das hat mich sehr gerührt.

In "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" spricht Hape Kerkeling den animierten Schneemann Olaf: "Wenn Disney anfragt, kann man nicht 'Nein' sagen."

 

chilli: Mussten Sie eigentlich an einem Casting teilnehmen, um in „Die Eiskönigin“ mitwirken zu dürfen?
Kerkeling: Es geht den Machern in Amerika erst mal darum, den Charakter, die Stimme zu finden, daher hören sie sich das erst einmal an, ehe sie sagen: gut oder nicht gut. Man bekommt drei, vier Szenen, eine etwas traurigere, eine sehr lustige, eine dramatische Szene und die spricht man. Das wird aufgenommen und in die USA geschickt. Dann heißt es warten. Die waren offensichtlich zufrieden, ich stehe ja auf dem Plakat. So schlimm kann es nicht gewesen sein.

 

chilli: Worin bestand die größte Schwierigkeit beim Synchronisieren?
Kerkeling: Die Animationsfigur Olaf kommt perfekt von den Disney Studios aus Hollywood. Diese Figur stimmt in ihrem Timing, im Aussehen, in ihrer Mimik und dem, was sie sagt. Alles perfekt. Für mich geht es darum, diese Perfektion irgendwie zu erreichen. Das ist einerseits enormer Druck, aber andererseits auch eine enorme Herausforderung und macht deshalb enormen Spaß. Wenn ich so eine Figur gesprochen habe, lerne ich von ihr. Sowohl was Timing betrifft, als auch inhaltliche Dinge. Humor ist nicht immer nur Humor, sondern hat manchmal auch eine tragische Komponente oder eine Komponente der Lebensklugheit. Das finde ich das Spannende daran.

 

chilli: Was haben Sie von Olaf gelernt?
Kerkeling: Von ihm habe ich gelernt, dass es sich manchmal lohnt, zu schmelzen. Für einen Schneemann ist das äußerst riskant, aber es kann sich manchmal lohnen.

 

chilli: Was ist angenehmer – sich in eine fremde Figur zu versetzen oder eine eigene zu entwickeln?
Kerkeling: Wenn ich Figuren entwickle, müssen ständig alle damit leben und sich anhören, was diese Figur so denkt, tut und macht. Ich kann das ja nicht ewig hinter den Kulissen ausprobieren, sondern muss es ans Publikum herantragen und daran wächst die Figur. Bei Olaf ist der Wachstumsprozess abgeschlossen. Deshalb ist die Figur perfekt. Horst Schlämmer war erst nach zweieinhalb Jahren perfekt.

 

chilli: Woran erkennen Sie, dass eine Figur Potenzial hat?
Kerkeling: Ich kann nicht erklären, wie das passiert. Sie fliegen auf mich zu. Herr Schlämmer war irgendwann da und ich dachte: Ja, damit muss man was machen.

 

chilli: Von Ihrem Umfeld lässt sich Ehrlichkeit darüber erwarten, ob eine Figur auch gut ist?
Kerkeling: Ja. Lachen ist ziemlich ehrlich. Es ist sehr schwierig, gekünstelt herzlich zu lachen.

 

chilli: Mit wem lachen Sie am liebsten?
Kerkeling: Oft ist das, was unverhofft passiert, am besten. Ich lache mit jedem Menschen gern. Es gibt keine Vorliebe oder dass ich sagen würde: Mit dem lache ich aber nicht. Nö!

Eine Figur zu sprechen, die man selbst nicht entwickelt hat? "Das ist einerseits enormer Druck, aber andererseits auch eine enorme Herausforderung und macht deshalb enormen Spaß", findet Hape Kerkeling.

 

chilli: Wofür brennen Sie noch in Ihrem Beruf?
Kerkeling: Ich entwickle nach wie vor gerne Stoffe, ich singe wahnsinnig gerne und ich spiele wahnsinnig gerne.

 

chilli: Als Fan Ihrer Kinofilme …
Kerkeling: … das ist sehr nett von Ihnen. Dann gehören Sie zu den wenigen, die meine Kinofilme auch gesehen haben. Das meine ich nicht ironisch.

 

chilli: Würden Sie dennoch wieder einen drehen?
Kerkeling: In jedem Fall! Ich liebe Kino. Es dauert aber, bis man so einen Stoff hat. Einmal habe ich mich damit sehr vertan. Der war gut fürs Fernsehen und deswegen bin ich da vorsichtiger geworden. Nichtsdestotrotz möchte ich gerne noch den ein oder anderen Kinofilm machen.

 

 

Text: Denis Demmerle / Fotos: Disney / Xaver Lockau
Quelle: teleschau – der mediendienst