„Wir haben Las Vegas alles zu verdanken“

Imagine Dragons sind die neuen Rock-Könige von Las Vegas: Ihr 2013 erschienenes Debütalbum „Night Visions“ verkaufte sich vier Millionen Mal und wurde mit einem Grammy dekoriert. Ihre Singles „Radioactive“ und „On Top Of The World“ sind Radiodauerbrenner. Es gibt kaum eine große TV-Show, in der die Rockband noch nicht aufgetreten ist. Mit „Smoke + Mirrors“ erscheint nun das zweite Album, das überwiegend auf Tour geschrieben und im eigenen Studio in ihrer Heimatstadt aufgenommen wurde. Abseits vom Glitzer und Glamour des Las-Vegas-Strips haben es sich die vier Herren in einer eher spießbürgerlichen Nachbarschaft gemütlich gemacht. Dass sie trotz des Erfolges auch sonst auf dem Boden geblieben sind, zeigen Sänger Dan Reynolds und Drummer Daniel Platzman im Interview.

Aus den Kasinos in Las Vegas auf die großen Bühnen der Welt: Imagine Dragons veröffentlichen ihr zweites Album "Smoke + Mirrors".

 

chilli: Die letzten zwei Jahre müssen überwältigend für Sie gewesen sein, was den Erfolg von Imagine Dragons betrifft …
Dan Reynolds: Überwältigend ist das richtige Wort dafür. Das war eine unglaublich dynamische Zeit und sehr surreal. Es ist immer noch schwer nachzuvollziehen, was genau da mit uns passiert ist. Wir sind wohl alle noch etwas baff.

 

chilli: Gibt es ein ultimatives unter den vielen Highlights, die Sie erlebten?
Reynolds: Bei den Grammys im letzten Jahr aufgetreten zu sein und Paul McCartney getroffen zu haben, war definitiv ein Highlight! Es kann keine größere Ehre geben. Mein Vater war mit mir bei der Veranstaltung, und wir sind McCartney einfach nur um den Hals gefallen!

 

chilli: Haben Sie eine Erklärung für Ihren Erfolg?
Reynolds: Es ist wohl eine Mischung aus vielen Dingen: zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Das Glück zu haben, Las Vegas an unserer Seite zu haben. Dazu kommt dann noch harte Arbeit, denn wir sind eine total fokussierte Band, wir nehmen jede Show und Aufnahme extrem ernst.
Daniel Platzman: Und den Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben, war sicherlich auch kein Fehler. Schließlich kommen wir aus der Stadt der Sünden! (lacht)

 

chilli: Das Interessante ist, dass die Songs von Imagine Dragons viel bekannter sind als Sie als Personen.
Reynolds: Total. Ich denke, dass das viel damit zu tun hat, dass alles so schnell ging in den letzten zwei Jahren. Die Leute fragen sich immer noch, wenn sie unsere Songs im Radio hören, wer die Musiker dahinter eigentlich sind. Das ist okay, wir hatten bisher ja nur ein Album. Und es ist auch großartig, bis zu einem gewissen Grad immer noch normale Leben führen zu können. Wir haben Schiss davor, diese Anonymität zu verlieren. Niemand von uns ist angetan von der Idee des Ruhms, es ging uns ja immer nur um die Musik. Aber in den letzten sechs Monaten merkten wir tatsächlich, dass es immer häufiger passiert, dass Menschen uns auf der Straße erkennen.

 

chilli: Wie gesund ist das, wenn man so schnell erfolgreich wird?
Reynolds: Für Außenstehende mag es aussehen wie ein Über-Nacht-Erfolg. Für uns ist es das keineswegs, denn wir arbeiteten sechs Jahre daran. Gerade in den letzten zwei Jahren legten wir Wert darauf, keinen Schritt auszulassen. Wir traten in Klubs auf, dann in größeren Klubs, obwohl wir längst schon Arenen hätten bespielen können. Aber wir sagten: „Nein, wir wollen jedes Level erfahren, bevor wir dorthin gehen.“

Ihre Heimatstadt Las Vegas war entscheidend für den Erfolg von Imagine Dragons: "Wir waren pleite, bettelarm. Aber wir konnten uns zusammen ein Haus mieten, weil uns einige Hotelcasinos auf ihrer Bühne spielen ließen", erzählt Sänger Dan Reynolds (zweiter von rechts).

 

chilli: Sie sagten, Sie hätten Las Vegas an Ihrer Seite gehabt. Inwiefern?
Reynolds: Wir waren pleite, bettelarm. Aber wir konnten uns zusammen ein Haus mieten, weil uns einige Hotelkasinos in Vegas auf ihrer Bühne spielen ließen: Mandalay Bay, Caesars Palace, Monte Carlo – wir traten überall auf. Und der Deal war dann, 50 Prozent Coverversionen zu spielen und 50 Prozent eigene Songs. Für sechs Stunden gab es 300 Dollar. Das war nicht viel für vier Typen, aber es reichte für die Rechnungen und das Überleben. Und es gab uns die Möglichkeit, an unserer Musik zu arbeiten. Wir hätten es nicht woanders schaffen können. Wir fühlen uns so verbunden mit der Stadt, dass wir etwas zurückgeben wollen. Vor Kurzem spielten wir auf der Straße beim Springbrunnen des Bellagio und sammelten Geld für Schulen. Auch für die, auf die ich ging. Die hatten ein schreckliches Musikförderungsprogramm, das nun hoffentlich verbessert werden kann.

 

chilli: Imagine Dragons werben auch seit Neuestem in einem Tourismus-Video für Las Vegas.
Reynolds: Ja, sie fragten, ob wir helfen wollen, Menschen nach Vegas zu bringen und Teil der Kampagne sein wollen. Es fühlte sich richtig für uns an, weil wir uns als Teil der Stadt begreifen. Normalerweise lehnen wir Werbeangebote ab. Aber unsere Stadt repräsentieren wir gerne, das ist cool.

 

chilli: Sind da die Killers, die bisher immer als Rockbotschafter von Vegas herhielten, nicht neidisch?
Platzman: Vermutlich hat man sie zuerst gefragt, und sie haben nein gesagt. (lacht) Nein, mal im Ernst: Sie sind gute Freunde von uns. In Vegas ist Platz für Imagine Dragons und die Killers.

 

chilli: Ihre neue Platte ist fett produziert, manche Songs klingen gar wie fünf in einem. Waren Sie zu ehrgeizig?
Reynolds: Nun, wir kommen aus Vegas, das ist die ehrgeizigste Stadt der Welt, dort ist alles überlebensgroß! Wir versuchen immer, die Grenzen von Genres zu sprengen. Es gibt einige Songs, die heavy klingen, wie beispielsweise „Friction“ und „I’m So Sorry“. Aber es gibt eben auch Songs, die vom Songwriting her simpler sind und auf starke Melodien setzen. Als wir aufwuchsen, hörten wir viel Beatles, Paul Simon und Billy Joel. Und manche Songs liegen irgendwie dazwischen. Das Universum von Imagine Dragons ist also recht weitläufig und chaotisch. Aber in unseren Köpfen macht alles Sinn, weil wir nun mal verrückte Typen sind.

 

chilli: Die erste Single „I Bet My Life“ soll von der Beziehung zu Ihren Eltern handeln, richtig?
Reynolds: Ja, ich bin zwar in einer musikalischen, aber auch sehr konservativen Familie aufgewachsen. Also gab es öfter mal Krach mit Mum und Dad. Es war eine schwierige Beziehung. Ich war definitiv das schwarze Schaf der Familie. Aber dann wirst du älter, blickst zurück, und alles ist vergeben.

 

chilli: Warum waren Sie das schwarze Schaf?
Reynolds: Ich hatte immer Probleme. Verglichen mit meinen acht Geschwistern hatte ich immer die schlechtesten Zeugnisse, ich geriet in Schlägereien. Für meine älteren Brüder war alles viel einfacher. Die sind heute Anwälte und so. Ich verließ das College und wollte Musiker werden. Ich hatte mich wirklich bemüht, alles zu glauben, was in der Welt meiner Eltern wichtig war. Und das tue ich immer noch bis zu einem bestimmten Punkt. Aber irgendwann stand alles, was sie mir beigebracht hatten, auf wackeligem Boden. Ich musste meinen eigenen Weg finden. Einige Lieder der Platte befassen sich auch damit, dass ich mich lange Zeit entschuldigen wollte, dass ich nicht der geworden bin, der ich für meine Eltern sein sollte. Das ist ein Thema, das mich lange Zeit sehr verletzt hat. Aber heute habe ich mit meinen Eltern eine unglaublich gute Beziehung.

 

chilli: Der Erfolg hat sicher geholfen.
Reynolds: (lacht) Ja, genau, heute sagen sie: „Wir wussten es immer: Die Musik ist das, was du tun musstest. Vergiss, wenn wir jemals etwas anderes behauptet haben.“

 

chilli: Im Herbst bespielen Sie die großen Arenen in Deutschland. Was darf man da erwarten?
Platzman: Wir werden unsere Shows definitiv aufs nächste Level heben. Dass unsere Konzerte spektakulär werden sollen, wussten wir schon, bevor wir überhaupt unsere erste Platte aufnahmen. Wir fragten uns damals schon, was wir tun können, um eine Liveshow zum Erlebnis werden zu lassen. Und genau das wird diesmal passieren.

 

 

Text: Autor: Katja Schwemmers / Fotos: © Eliot Lee Hazel / Universal
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

 

Imagine Dragons auf Deutschland-Tournee:

11.10., Oberhausen, König-Pilsener-Arena
12.10., Mannheim, SAP Arena
13.10., München, Olympiahalle
15.10., Hamburg, O2 World
16.10., Berlin, Max-Schmeling-Halle
17.10., Stuttgart, Porsche-Arena