„Ich habe ein Perfektionisten-Gen“

Jochen Schropp hat im Fernsehen schon fast alles ausprobiert. Anfang der Nullerjahre war er ein Serienstar in „Sternenfänger“, später in zahlreichen Filmproduktionen von „Rosamunde Pilcher“ bis „Polizeiruf 110“ und natürlich als Moderator von Formaten wie „X-Factor“ zu sehen. Der 36-Jährige Wahlberliner, der eine Schauspielausbildung an Paul McCartneys berühmtem Liverpool Institute for Performing Arts absolvierte, steht Neuem immer aufgeschlossen gegenüber.

So auch jetzt, wenn er in seiner ersten Sendung für SAT.1, „Jetzt wird’s schräg“ (ab 18. Juli, freitags, 22.30 Uhr), eine Impro-Comedy moderiert. Prominente Gäste wie Palina Rojinski, Bernhard Hoëcker und Oliver Wnuk sind in der Show, die in anderen Ländern längst ein großer Erfolg ist, auf außergewöhnliche Weise gefordert. „Unsere Gäste müssen auf einer 22,5 Grad steilen Bühne improvisieren“, erklärt Schropp. „Das führt zu herrlich schrägen Rutschpartien.“ – Die Impro-Comedy wird nicht Schropps einzige Aufgabe bei der neuen Senderheimat ProSiebenSat.1 bleiben. Am Samstag, 9. August, 20.15 Uhr, moderiert er bei ProSieben erstmals das neue, heitere Quizformat „Himmel oder Hölle“.

Ein Mann für schräge Formate: Jochen Schropp moderiert bei SAT.1 eine Impro-Comedy, bei der nichts im Lot ist.

 

chilli: Jochen Schropp, wann mussten Sie zuletzt improvisieren?
Jochen Schropp: Improvisieren wir nicht alle jeden Tag ein bisschen? Kein Tag läuft doch so ab, wie man ihn plant, da sind Spontaneität und Improvisationstalent gefragt! Ich persönlich versuche, so direkt durchs Leben zu gehen, wie möglich. Als geradliniger Mensch, fällt auch das Improvisieren leichter.

 

chilli: Sind Sie generell jemand, der lieber plant und probt, oder sagen Sie sich: Wer übt kann nichts?
Schropp: Übung macht den Meister! Was mein Privatleben angeht, muss ich einerseits viel planen, weil ich sonst meine Freunde zu selten sehen würde. Andererseits lebe ich auch gerne mal in den Tag hinein. Neulich war so ein Tag, da war ich morgens zum Geburtstagsbrunch mittags zum Kaffeetrinken und abends zum Grillen eingeladen, aber eigentlich wollte ich mich an meinem freien Tag einfach mal treiben lassen.

 

chilli: Und bei der Arbeit?
Schropp: Da habe ich schon gerne eine Struktur und weiß, was als nächstes passiert. Allerdings bin ich es von Produktionen auch gewohnt, dass es immer ein bisschen drunter und drüber geht und in letzter Sekunde noch mal dies und das geändert wird.

 

chilli: Bringt es Sie aus dem Konzept, wenn Sie während einer Moderation mal keinen genauen Plan haben?
Schropp: Nein, dann kann ich mich schon auf mein Improvisationstalent verlassen. Ich habe gerade eine Produktion gemacht, von der ich das Gerüst kannte, aber ich wusste in verschiedenen Situationen nicht, was von der Regie als nächstes gewünscht wird, es lief eher auf Zuruf. Das macht es zwar spannend, ein grober Plan sollte aber trotzdem sein.

 

chilli: Hatten Sie auch einen groben Plan, als Ihre Karriere im Fernsehen begann? Oder dachten Sie: Mal gucken, was passiert? Von der Sommerserie über Romantic Comedy bis zur Samstagabendshow war ja fast alles dabei.
Schropp: Ich glaube, dass man eine Fernsehkarriere nicht wirklich planen kann. Ich hatte keinen Karriereplan, aber dafür die Leidenschaft, auf der Bühne zu stehen. Teilweise ist es auch gar nicht möglich zu planen. Wenn man einen Job braucht, um die Rechnungen zu bezahlen, nimmt man auch mal das, was kommt. Ich habe ja in England studiert, und an meiner Schauspielschule hieß es immer: Alles, was du machen kannst, wird dir wertvolle Erfahrungen geben.

Moderator Jochen Schropp beobachtet das schräge Treiben seiner prominenten Gäste vom horizontalen Grund aus.

 

chilli: Manche Jobs schienen Sie bisher dennoch zu vermeiden, etwa ein Engagement in einer Soap.
Schropp: Ich habe zwar noch nie in einer mitgespielt, aber ich war in der Vergangenheit auch schon bei Soaps zum Casting. Ich habe immer versucht, auf meine innere Stimme zu hören und bei dem zu bleiben, was mir Spaß macht. Das gilt auch für Formate wie „Das perfekte Promi Dinner“, von dem mir einige wenige Kollegen abgeraten hatten, aber ich glaubte, dass es mir nicht schaden würde. Und durch das „Promi Dinner“ bin ich dann ja letztlich auch zu „X-Factor“ gekommen. Also hatte ich alles richtig gemacht!

 

chilli: Haben Sie nie einen Fernsehjob bereut?
Schropp: Nein. Natürlich gibt es Sachen, auf die ich stolzer bin als auf andere. Aber es gab eigentlich bei allem, was ich gemacht habe, etwas das mich weitergebracht und Kleinigkeiten zu meinem beruflichen Werdegang beigetragen hat.

 

chilli: Vielleicht steckte ja doch ein Plan dahinter, und Sie haben deshalb so viele verschiedene Produktionen mitgemacht, weil Sie es vermeiden wollten, in eine Schublade gesteckt zu werden.
Schropp: Mit den Schubladen ist es ja so eine Sache. Einerseits wollen wir in keiner Schublade landen, andererseits ist es immer gut, wenn man einen in eine Schublade stecken kann. Wenn ein Schauspieler immer gut den Bösewicht spielt, bekommt er dadurch auch regelmäßig Arbeit. Wenn man hingegen sehr breit aufgestellt ist, bleibt man vielen nicht so sehr im Gedächtnis. Ich glaube, als Moderator schaffe ich es, ein souveränes Auftreten mit einer Prise Chaos und Unberechenbarkeit zu verbinden. Und ich bin froh, dass mich SAT.1 und ProSieben jetzt auch so einsetzen. Ich habe im Moment das Gefühl, dass ich ausschließlich Sendungen mache, auf die ich richtig Bock habe.

 

chilli: Zum ersten Mal wagen Sie sich jetzt auch an ein Impro-Comedy-Format.
Schropp: Nun ja, sagen wir mal „öffentlich“. Ich bin mit dem Genre schon lange vertraut, da ich es während meiner Schauspielausbildung natürlich auch gelernt habe.

Bei ProSieben führt Jochen Schropp am Samstag, 9. August, 20.15 Uhr, gemeinsam mit Evelyn Weigert durch die neue Quizshow "Himmel oder Hölle".

 

chilli: Hätten Sie bei „Jetzt wird’s schräg“ auch mitgemacht, wenn man Sie nicht als Moderator, sondern als Impro-Comedian hätte engagieren wollen?
Schropp: Klar, auf jeden Fall. Wobei ich jetzt, nachdem ich gesehen habe, was Größen wie Bernhard Hoëcker können, auch großen Respekt davor habe. Es gibt einfach Leute, an die kommt man in solchen Situationen nicht heran. Aber „Jetzt wird’s schräg“ besteht neben der Improvisation ja auch aus ganz vielen spaßigen Partyspielen, bei denen man sich nicht zu ernst nehmen darf! Da wäre ich auch als Gast gut aufgehoben!

 

chilli: Wie war denn Ihre erste Sendung für SAT.1? Haben Sie mehr Druck gespürt als sonst?
Schropp: Als ich zur ersten Probe gekommen bin und da alle meine neuen Vorgesetzten waren, wollte ich natürlich besonders gut sein. Ich habe schon so ein kleines Perfektionisten-Gen.

 

chilli: Wann sind Sie denn Ihrer Meinung nach gut?
Schropp: Wenn ich mich wohl fühle und mir Vertrauen entgegengebracht wird. Ich bin schon jemand, der von Meinungen anderer abhängig ist. Ich mag ehrliche, konstruktive Kritik.

 

chilli: Wofür andere Sie oft loben, ist ein recht entspanntes Auftreten. Sind Sie tatsächlich so relaxt auf der Bühne, wie es scheint?
Schropp: Ich will nicht sagen, dass das mein großer Vorteil ist, denn entspannt sind andere Moderatoren natürlich auch. Aber ein Alleinstellungsmerkmal habe ich, denke ich, als Moderator tatsächlich. Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich einfach ich selbst und vielleicht daher nicht angestrengt. Ich weiß auch, dass es dann erst mal nicht um mich geht. Natürlich hole ich mir gerne meinen Applaus ab und freue mich, wenn ich einen Witz mache, der gut ankommt. Aber wenn ich moderiere, bin ich für die Sendung da und will mich nicht selbst feiern.

 

Text: Erik Brandt-Höge / Fotos: © SAT.1 / Willi Weber
Quelle: teleschau – der mediendienst