Die mit dem Pop tanzt

Leslie Clio ist zurück, mit neuen Songs und verbessertem Konzept. Die 28-jährige Berlinerin, die vor zwei Jahren mit ihrem Debüt „Gladys“ noch mit Retro-Soul auf einen musikalischen Trend-Zug aufsprang, setzt jetzt alles auf eine Karte: auf Pop. Extrafröhlichen, quietschbunten Radiopop. Musik, die schnell glücklich macht – auch Clio selbst. Die hat in Sachen Karriere nämlich große Ziele mit ihrem zweiten Album „Eureka“. Im Interview spricht sie über Erfolgshunger und Ungeduld, die Bedeutung von Musikpreisen und ihre Gründe für gute Laune.

Will mit fröhlichem, bunten Pop erneut die Charts erobern: Leslie Clio veröffentlicht ihr zweites Album "Eureka".

 

chilli: Nennen Sie drei Dinge, die Sie aktuell glücklich machen können.
Leslie Clio: Unterwegssein, die Sonne und der Monat. Denn April heißt, dass bald Sommer ist und es noch mehr Sonne geben wird.

 

chilli: Und was ist mit Musik? Kann es ein Song von drei Minuten schon schaffen, Sie glücklich zu machen?
Clio: Auf jeden Fall. Ich habe aktuell ja immer ein Mixtape dabei, von dem es eigentlich jeder Song schafft, mir von jetzt auf gleich gute Laune zu machen.

 

chilli: Würden Sie uns Ihre Top drei von diesem Mixtape verraten?
Clio: „I Don’t Wanna Dance“ von Eddy Grant. „Rivers Of Babylon“ von Boney M. Und „Weekend“ von Earth & Fire.

 

chilli: Sie selbst haben sich nun voll und ganz auf das Prinzip Glück durch Pop konzentriert, oder?
Clio: Das ist zumindest der Weg, den ich gehen will, und der sich für mich sehr gut anfühlt.

 

chilli: Ist Popmusik für Sie der schnellste Weg zum Erfolg? Schließlich sagten Sie einmal, Ungeduld wäre Ihr größter Fehler.
Clio: Ungeduldig bin ich, wenn ich einen Toast mache und drei Minuten darauf warten muss. Ansonsten würde ich eher sagen, dass ich motiviert und ehrgeizig bin.

 

chilli: Sie haben ja auch hochgesteckte Ziele. Es heißt, auf Ihrer Wohnungstür klebe ein Poster von der Grammy-Trophäe.
Clio: Genau, das nennt sich Visualisierung. Mittlerweile hängt das Bild aber nicht mehr dort.

 

chilli: Klebt dort jetzt der Echo?
Clio: Nein (lacht).

 

chilli: Aber im nächsten Jahr könnten Sie den aber gewinnen.
Clio: Ich hätte nichts dagegen.

 

chilli: Was würde Ihnen so ein Musikpreis bedeuten?
Clio: Der Echo ist natürlich eine gute Sache, und der Gewinn treibt einen bestimmt an. Man darf aber nicht vergessen, dass es beim Echo in erster Linie um gesellschaftliche Maßstäbe geht und nicht um künstlerische. Ich stehe zwar im Wettbewerb mit meinen Kolleginnen und Kollegen, aber im Endeffekt sitzen wir doch alle in einem Boot, machen die gleichen Sachen und verfolgen die gleiche Liebe.

Leslie Clio geht inzwischen optimistischer durchs Leben: "Wenn mal irgendetwas nicht so läuft, sage ich mir: 'Ist halt so!'".

 

chilli: Ihr Fokus scheint derzeit vor allem auf dem Gute-Laune-Tanzlied zu liegen. Können Sie eigentlich zu Ihrer eigenen Musik tanzen?
Clio: Klar! Unter uns Künstlern heißt das „Performance“ (lacht).

 

chilli: Und abseits der Bühne? Wippen Sie mit, wenn Ihr Song „My Heart Ain’t That Broken“ im Autoradio kommt?
Clio: Oh ja! Das kann ich auf jeden Fall. Der Song ist ja dafür gemacht, dass jeder sofort mitmachen kann, natürlich auch ich.

 

chilli: Beruht der Song auf einer eigenen Erfahrung?
Clio: Es geht um eine Trennung, die ich selbst erlebte, klar, und der Song beschreibt ganz gut das Gefühl, das ich etwas später hatte. Er entstand in Los Angeles, am letzten Tag einer sehr langen Amerikareise, bei der ich an neuen Songs geschrieben hatte. Zu dem Zeitpunkt war ich eigentlich schon völlig ausgelaugt und ohne Worte.

 

chilli: Und wie kamen Sie dann auf die Textidee?
Clio: Ich saß irgendwann mit ein paar Leuten am Pool und erzählte ihnen, was bei mir zuletzt so los war. Es fiel bald dieser Satz: „But my heart ain’t that broken“. Ein Freund sah mich an und sagte: „Das ist doch deine Hook!“ Und dann schrieben wir den Song. Das ging relativ schnell.

 

chilli: Muss eine ziemliche Genugtuung für Sie gewesen sein, dass gerade dieser Song so erfolgreich wurde und nach wie vor ständig im Radio läuft.
Clio: (lacht) Das ist das Gute an unserem Job: Wir verarbeiten ständig persönliche Erfahrungen auf die ein oder andere Weise. Wenn wir damit anderen und letztlich uns selbst eine Freude machen können – umso besser.

 

chilli: Grundsätzlich, heißt es, spiegele dieses Album Ihr Lebensgefühl der letzten zwei Jahre wieder. Scheint eine gute Zeit gewesen zu sein, so extrem positiv, wie die Songs nun klingen.
Clio: Bei meinem ersten Album war es so, dass ich sehr, sehr lange daran gearbeitet hatte. Ich hatte unheimlich viele Gefühle in die Songs gesteckt. Eigentlich alles, was man in ein Album stecken kann: Freude, Hoffnung, Liebe, aber eben auch Liebeskummer, Trennungen, Trauer und vor allem Bitterkeit. Natürlich habe ich in den vergangenen zwei Jahren wieder einiges von dem erlebt, was ich auch damals erlebt hatte. Nur haben sich mein Umgang damit und meine Einstellung allgemein geändert.

Landete mit einem Song über eine Trennung einen Hit: "Das ist das Gute an unserem Job: Wir verarbeiten ständig persönliche Erfahrungen auf die ein oder andere Weise", sagt Leslie Clio.

 

chilli: Inwiefern?
Clio: Heute denke ich positiver über viele Dinge. Wenn mal irgendetwas nicht so läuft, sage ich mir: „Ist halt so!“ Und: „Nicht lange fackeln, einfach weitermachen!“ Denn das Leben ist schön.

 

chilli: Was machte Ihr Leben zuletzt besonders schön?
Clio: Arbeit! So komisch das klingen mag. Ich habe einfach sehr viel gearbeitet, mich richtig rein gehangen. Ich wollte mich unbedingt weiterentwickeln, mich verbessern. Und wenn ich merke, dass mir das gelingt, fühle ich mich gut.

 

chilli: Und wenn Sie sich mal nicht gut fühlen? Arbeiten Sie dann einfach weiter?
Clio: Ja, das hilft mir auf jeden Fall.

 

Text: Erik Brandt-Höge / Fotos: © Robert Winter / Universal
Quelle: teleschau – der mediendienst

 

 

Leslie Clio auf Deutschland-Tournee:

25.05., Essen, Pfingst Open Air
26.05., Stuttgart, ClubCann
28.05., Berlin, Postbahnhof am Ostbahnhof
29.05., Hamburg, Mojo Club
30.05., Köln, Gebäude 9
31.05., Frankfurt, Zoom
02.06., München, Strom
04.06., Würzburg, Posthallen