„Flirten? Das gibt mir nichts.“

Lisa Azuelos’ Namen kennt nicht jeder – ihre Filme dafür schon, zumindest die berühmte Mutter-Tochter-Geschichte „LOL – Laughing Out Loud“ (2008), die allein in Frankreich vier Millionen Zuschauer zählte. Für ihr neues Opus „Ein Augenblick Liebe“ (Kinostart: 07.08.) hat die blonde Französin mit marokkanischen Wurzeln erneut Sophie Marceau engagiert. Auch Frankreichs Superstar François Cluzet, der die Hauptrolle im Komödienhit „Ziemlich beste Freunde“ (2011) spielte, sagte zu. Es geht um die Liebe auf den ersten Blick und um das, was man daraus macht – oder eben nicht. Lisa Azuelos, die im Film erstmals auch selbst vor der Kamera steht, erzählt nun mal gern Geschichten aus ihrem Leben: Ihren Beruf versteht die Ex-Bankerin und Mutter dreier Kinder als Berufung, für die sie viele Opfer gebracht hat. Als es noch nicht so gut lief, verkaufte sie gar den Familienschmuck, um ihre Miete bezahlen zu können. Diese Zeiten sind lange vorbei: Mit dem US-Remake von „LOL“ (2012) gelang der smarten 49-Jährigen auch international der Durchbruch.

In "Ein Augenblick Liebe" spielt Lisa Azuelos auch selbst eine Rolle - weil sie keine Darstellerin fand, die Frau ihrer männlichen Hauptfigur spielt.

 

chilli: In „Ein Augenblick Liebe“ ist es eine kurze Begegnung zweier fremder Menschen, die Konsequenzen hat, die alles verändert. Wie oft haben Sie solche Momente erlebt?
Azuelos: Sehr oft, aber nicht nur, was die Liebe angeht. Das kann einem auch mit Freundschaften passieren oder in beruflicher Hinsicht. Es sind Momente, in denen man sich urplötzlich mit jemand verbunden fühlt und einem sofort klar ist, dass man aus dieser Begegnung etwas machen muss. Ich bin ein sehr tiefgründiger Mensch, und wenn ich neue Menschen treffe, dann ist das in der Regel ein sehr intensives Erlebnis. Oft entsteht daraus eine Liebes- oder eine berufliche Beziehung oder aber einfach nur Freundschaft. Für mich sind Begegnungen die treibende Kraft in meinem Leben, daraus beziehe ich meine Stärke.

 

chilli: Wie sah einer dieser lebensverändernden Momente bei Ihnen aus?
Azuelos: Ich war früher Aktienhändlerin. Aber dann lernte ich eines Tages jemanden kennen, der als Produktionsdesigner beim Film arbeitete und eine Assistentin brauchte. Da kündigte ich sofort meinen Job. Dabei hatte ich keine Ahnung von Produktionsdesign. Aber ich wusste auf einmal, dass ich nicht für die Finanzwelt gemacht war, auch wenn ich sehr gut bezahlt wurde. Ich begann dann, bei Filmproduktionen mitzuarbeiten und wusste instinktiv, dass diese Arbeit das Richtige war. Nur so konnte ich mich weiter entwickeln. Das hat mein Leben verändert.

 

chilli: War das Zufall? Oder Schicksal?
Azuelos: Also an den Zufall glaube ich nicht, ich bin sehr fatalistisch. Ich denke, dass alles festgeschrieben ist, aber dass man selbst der Autor ist. Alles, was passiert, ist letztlich eine Reflektion unserer selbst. Denn wer man ist und wie man in einem ganz bestimmten Moment drauf ist, hat Einfluss darauf, wie und ob man anderen Menschen und Situationen begegnet. Zum Beispiel auch, ob man eine Person wahrnimmt, die gerade im selben Raum ist wie man selbst.

 

chilli: In Ihrem neuen Film sind Sie für die Regie und das Drehbuch verantwortlich. Aber man sieht Sie zum ersten Mal auch vor der Kamera. Wie kam es dazu?
Azuelos: Ich habe einfach keine französische Schauspielerin gefunden, die die Rolle der Ehefrau übernehmen wollte. Das war das Erste. Und das Zweite war, dass ich mich mit François Cluzet sehr gut verstanden habe. Es fühlte sich so an, als wären wir seit 20 Jahren verheiratet, und genau so eine Verbundenheit hatte ich mir für den Film gewünscht. Außerdem ist es ja ein sehr emotionaler Film, da wollte ich mental voll und ganz dabei sein und eben nicht nur hinter der Kamera. Ich wollte komplett in die Geschichte eintauchen und ein Teil davon sein.

Lisa Azuelos hat keine Angst vor schönen Frauen - schon gar nicht vor der wunderbaren Sophie Marceau: "Ich habe es genossen, mit Sophie zu arbeiten. Es ist doch schön, wenn jemand so attraktiv ist! Für mich kann niemand schön genug sein. Ich gehöre wirklich nicht zu den Frauen, die auf andere eifersüchtig sind."

 

chilli: „Ein Augenblick Liebe“ ist nach „LOL – Laughing Out Loud“ Ihr zweiter Film mit Sophie Marceau, die mit ihren fast 50 Jahren noch immer umwerfend aussieht. Viele Frauen haben ein Problem mit attraktiven Frauen. Wie ist das bei Ihnen?
Azuelos: Ich habe es genossen, mit Sophie zu arbeiten. Es ist doch schön, wenn jemand so attraktiv ist! Für mich kann niemand schön genug sein. Ich gehöre wirklich nicht zu den Frauen, die auf andere eifersüchtig sind.

 

chilli: Sie haben Ihren Erfolgsfilm „LOL“ fürs amerikanische Kino adaptiert, mit Demi Moore und Miley Cyrus in den Hauptrollen. Was ist Ihrer Meinung nach der größte Unterschied zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Film?
Azuelos: Als ich die US-Version von „LOL“ gedreht habe, musste ich alles, was mit Nacktheit und Schimpfwörtern zu tun hatte, raushalten. Die Amerikaner sind in der Hinsicht zum Beispiel prüder als wir. Aber sie schreiben sehr gute Drehbücher. Das US-Kino ist unglaublich professionell, alles ist auf einem sehr hohen Niveau, zumindest handwerklich. Wir Franzosen mögen nicht ganz so perfektionistisch sein, dafür haben wir in Europa mehr Freiheiten, um das zu erzählen, was wir wollen.

 

chilli: Sophie Marceau träumt im Film von einem Mann, der nach Bitterorange riecht, inspiriert von einem Gedicht des französischen Schriftstellers Louis Aragon. Womit kann man Sie verführen?
Azuelos: Auf jeden Fall mit Humor und mit Freundlichkeit. Und beim Tanzen! Wenn jemand gut tanzen kann, das macht mich schwach.

 

chilli: Sind Sie eigentlich ein so romantischer Mensch, wie Ihre Filme vermuten lassen?
Lisa Azuelos: Sagen wir mal so: Ich mag die anfängliche Phase der Verführung und all das überhaupt nicht. Ich finde es schön, wenn zwei Menschen, die sich lieben, einfach zusammenkommen, fertig. Das Flirten und Rumgerede am Anfang, das gibt mir nichts. Aber ich habe natürlich romantische Vorstellungen und ja, ich glaube an die Liebe.

Mit ihrem Hauptdarsteller und Filmehemann François Cluzet verstand sich Lisa Azuelos blendend: "Es hat sich so angefühlt, als wären wir seit 20 Jahren verheiratet."

 

chilli: Trotz Ihrer Scheidung von Ihrem Kollegen Patrick Alessandrin nach elf Jahren Ehe?
Azuelos: Liebe muss doch nicht zwingend mit einer anderen Person zu tun haben! Die Tatsache, dass ich keinen Mann habe, ändert nichts daran, dass ich das Leben nach wie vor liebe. Ich liebe meine Kinder und meinen Job. Und wenn man das Leben liebt, dann kann man sich auch wieder neu verlieben.

 

chilli: Sie sind also glücklich und zufrieden?
Azuelos: Ja, und wie! Außerdem habe ich beim Dreh von „Ein Augenblick Liebe“ jemanden kennengelernt, eine Art Seelenverwandten. Es ist, als hätte Gott mir mit diesem Film eine neue Liebe geschenkt. Schon komisch, das Thema Liebe hat mich beschäftigt und deshalb habe ich ja auch dieses Drehbuch geschrieben. Und dann mache ich diesen Film, und da ist sie – eine neue Liebe. Großartig!

 

chilli: Sie sprechen hier aber nicht von François Cluzet, oder?
Azuelos: Nein, der ist es nicht. (lacht)

 

Text: Heidi Reutter / Fotos: © Alamode Film / Roger Do Minh
Quelle: teleschau – der mediendienst