„Es ist ein Risiko, ein Pärchen zu besetzen“

Sind sie die deutschen Brangelina? Miriam Stein würde dem wohl widersprechen. Denn Glamour ist der 26-jährigen Schauspielerin eher suspekt. Dennoch: Seit dem Weltkriegsdrama „Unsere Mütter, unsere Väter“ sind Miriam Stein und Volker Bruch (35) eines der Traumpaare der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft. Kennengelernt hatten sich die beiden schon 2009, bei den Dreharbeiten zu „Goethe!“. Jetzt standen sie erneut gemeinsam vor der Kamera, für „Das goldene Ufer“ (ZDF, Sonntag, 5. April, 20.15 Uhr). Und wieder ist es ein historischer Stoff: Die Romanverfilmung spielt im Deutschland des Jahres 1825 – jener bewegten Zeit vor der Märzrevolution 1848. Im Interview verrät Miriam Stein, wie es ist, mit dem eigenen Partner vor der Kamera zu stehen und wie sie den Erfolg von „Unsere Mütter, unsere Väter“ erlebte.

In "Das goldene Ufer" ist Amerika das Sehnsuchtsziel von Walther (Volker Bruch) und Gisela (Miriam Stein). Die Schauspielerin sagt aber im Interview: "Ich kann mir nicht vorstellen, dauerhaft in einem anderen Land zu leben als in Deutschland oder Österreich."

 

chilli: „Das goldene Ufer“ spielt im Deutschland des Vormärz. Was finden Sie an dieser Epoche spannend?
Miriam Stein: Der Vormärz war eine Zeit des Umbruchs. Die Menschen haben angefangen, die Umstände, in denen sie leben, zu hinterfragen. Es ist immer spannend, wenn Menschen bereit sind, für etwas Neues zu kämpfen. In „Das goldene Ufer“ ist die Figur der Gisela, die ich spiele, die treibende Kraft. Sie kämpft für Veränderungen.

 

chilli: Warum ist Gisela so mutig?
Stein: Ich glaube nicht, dass sie mutig sein will. Es passiert ihr einfach. Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und versteht nicht, warum sie als Magd anders behandelt wird als andere. Sie reflektiert ihr Dasein, eine Heldin will sie aber nicht sein. Das ist oft so bei Revolutionären: Sie werden von anderen als mutig beschrieben, sind aber eigentlich vielmehr dumm und unvorsichtig, weil ihre Handlungen sie das Leben kosten könnten. Dummheit und Mut liegen oft nah beieinander!

 

chilli: Haben Sie die Romanvorlage von Iny Lorentz gelesen?
Stein: Nein, ich habe mich nur intensiv mit dem Drehbuch beschäftigt und Christoph Schrewe (der Regisseur von „Das goldene Ufer“, d. Red.) war auch sehr offen für Änderungsvorschläge. Mir ging es dabei vor allem darum, die Figur der Gisela zu mir und in die heute Zeit zu holen, damit man sich als Zuschauer mit ihr identifizieren kann und spürt, wie wichtig das Thema des Films noch heute ist: ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

 

chilli: Sie haben in vielen historischen Filmen gespielt. Haben Sie ein Faible für solche Stoffe?
Stein: Das passiert mir immer irgendwie! Vielleicht liegt es daran, dass mir Drehbücher zu historischen Themen besser gefallen. Moderne Stoffe aus Deutschland haben oft wenig zu erzählen. Eine Geschichte muss für mich aber Relevanz haben, einen gewissen Erzählwert. Anscheinend finde ich den häufiger in historischen Stoffen.

 

chilli: Komödien sind nicht so Ihre Sache?
Stein: Doch, aber sie dürfen nicht flach sein. Humor muss intelligent sein. Am liebsten ist mir schwarzer Humor!

 

chilli: Im Film will Gisela Deutschland verlassen und nach Amerika übersiedeln. Haben Sie auch ein solches Sehnsuchtsziel?
Stein: Ich war einmal für zwei Monate in Argentinien und total begeistert von dem Land, der Musik, der Lebensfreude und Offenheit der Menschen. Aber in einem Land Urlaub zu machen ist etwas ganz anderes als in einem Land zu leben. Da muss man sich schon bewusst sein, wie gut es uns in Deutschland geht. Wir haben eine funktionierende Demokratie, kaum Korruption, wenig Schulden ? Ich kann mir nicht vorstellen, dauerhaft in einem anderen Land zu leben als in Deutschland oder Österreich. Ich fühle mich hier wohl, vermisse nichts und wenn doch, dann muss ich eben reisen.

 

chilli: Sie sind in Wien geboren, haben in Zürich studiert und leben jetzt in Berlin. Wo fühlen Sie sich zu Hause?
Stein: Das kommt darauf an: Wenn es mir gut geht, fühle ich mich an allen Orten zu Hause, wenn es mir schlecht geht, nirgends. Dann bin ich wie innerlich zerrissen: Meine Freunde leben auf mehrere Städte verteilt, ich bin ständig überall, sehe sie aber nie ? Ich stehe zurzeit vor der Frage, wo ich leben will. Berlin ist eine tolle Stadt, sehr lebendig, aber kein Ort, an dem man ewig bleibt.

In dem Historiendrama "Das goldene Ufer" stehen Miriam Stein und Volker Bruch erneut gemeinsam vor der Kamera.

 

chilli: Sie und ihr Freund, der Schauspieler Volker Bruch, standen für „Das goldene Ufer“ erneut zusammen vor der Kamera. Ist das Zufall oder Plan?
Stein: Wir haben keinen Einfluss darauf, welche Rollen uns angeboten werden. Bei „Das goldene Ufer“ haben wir aber beide das Drehbuch zugeschickt bekommen. Der Autor des Drehbuchs ist außerdem mit Volker zur Schule gegangen. Wir wussten also schon vorher von dem Projekt. Aber während des Castings war es nicht sicher, dass wir die Rollen bekommen würden. Für Produzenten ist es schließlich ein Risiko, ein Pärchen zu besetzen: Es kann ja sein, dass man sich während des Drehs am Set zerstreitet.

 

chilli: Ist es leichter, mit dem eigenen Freund zu drehen als mit einem Fremden?
Stein: Wenn man gerade eine gute Phase in der Beziehung hat, ist es natürlich angenehmer, mit dem Partner zu drehen. Man ist einfach vertrauter miteinander. Wenn man mit einem Fremden zusammenarbeitet, ist das aber natürlich auch spannend, weil man da ganz anders agiert.

 

chilli: Fällt es schwer, Privat- und Berufsleben zu trennen, wenn man mit dem Partner zusammenarbeitet?
Stein: Wenn man einen Film dreht, ist es generell schwer, beides zu trennen. Dann redet man daheim sowieso ständig über den Dreh!

 

chilli: Hat es Einfluss auf Ihre Beziehung, dass Sie und Volker Bruch beide in der Öffentlichkeit stehen?
Stein: Nein. Wir versuchen, unsere Beziehung aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Und das hat bislang recht gut funktioniert. Wir würden etwa der Boulevard-Presse nie ein Paarinterview geben!

 

chilli: Wie hat sich Ihr Leben seit dem Erfolg von „Unsere Mütter, unsere Väter“ geändert?
Stein: Privat hat sich wenig verändert. Auf der Straße werde ich kaum erkannt – aber wenn doch, freut es mich natürlich. Beruflich hingegen hat sich einiges getan. Ich bekomme heute viel mehr Drehbücher angeboten als früher.

 

chilli: Wie haben Sie die Rezeption des Films erlebt?
Stein: Der Erfolg des Films hat mich doch sehr überrascht, zumal es schon so viele deutsche Filme über das „Dritte Reich“ gibt. Als ich erstmals von dem Projekt hörte, dachte ich mir: Das hat es doch alles schon gegeben! Aber nach dem Casting war mir klar, dass der Film etwas Besonderes werden würde. Und auch wenn man sich im Ausland vor allem dann für deutsche Filme interessiert, wenn sie den Zweiten Weltkrieg thematisieren – mit dem Erfolg etwa in den USA hatte ich nicht gerechnet.

Sie tauchten fürs "Herzkino" in die Historie ein (von links): Volker Bruch, Miriam Stein, Ulrike Folkerts, Walter Sittler.

 

chilli: International war der Film allerdings nicht nur erfolgreich, sondern auch umstritten. Es hieß, er würde deutsche Schuld relativieren.
Stein: Ich finde es gut, wenn ein Film kontrovers diskutiert wird. In Polen wurde viel über die Darstellung der polnischen Widerstandskämpfer gestritten, in den USA hieß es, die Deutschen würden sich mit dem Film nur selbst bemitleiden. Wann schafft es ein Fernsehfilm schon einmal, solche Diskussionen auszulösen?

 

chilli: Welche Karrierepläne hat man als Schauspielerin noch, wenn man in solch einem erfolgreichen Film mitgespielt hat?
Stein: Ich habe gemerkt, dass es sehr schwierig ist, seine Schauspielkarriere zu planen. Man hat es nicht in der Hand, was man für Rollen angeboten bekommt.

 

chilli: Träume haben Sie aber sicher dennoch!
Stein: Mir macht es Spaß, in anderen Sprachen zu drehen. Ich stand vor kurzem für die Serie „The Team“ vor der Kamera, da habe ich auf Deutsch und Englisch gedreht. So etwas würde ich gerne häufiger machen!

 

chilli: Ihr Vater ist der Moderator Max Moor, ihre Mutter Theaterregisseurin. Wurde Ihnen das Schauspielen mit in die Wiege gelegt?
Stein: Jedes Kind spielt gerne Theater und verkleidet sich. Diese Spielfreude wurde mir von meinen Eltern nicht genommen, so wie es sicher bei vielen anderen Kindern der Fall ist. Es hieß nie, ich müsse einen „anständigen“ Beruf erlernen oder auf die Uni gehen. Meine Eltern haben gesagt, ich solle machen, was mir Spaß macht. Und das ist eben das Schauspielen.

 

chilli: Ursprünglich wollten Sie allerdings Tänzerin werden ?
Stein: Ja, wie viele kleine Mädchen wollte ich als Kind Ballerina werden! Diesen Traum musste ich aber aufgeben. Das Training an der Wiener Staatsoper war so intensiv, dass ich Hüftprobleme bekam.

 

chilli: Wie kamen Sie dann zum Schauspielen?
Stein: Als ich elf war, war eine Freundin von mir bei einem Casting und meinte, ich solle das auch mal versuchen. Meine Eltern meinten, ich bräuchte mir keine großen Hoffnungen machen – aber es hat geklappt, und ich habe meinen ersten Film gedreht, „Das Mädchen aus der Fremde“. Da war mir klar, dass ich Schauspielerin werden will. Eigentlich verrückt, ich war damals schließlich erst elf! Dennoch habe ich nur darauf gewartet, endlich die Schule abzuschließen, um dann auf eine Schauspielschule wechseln zu können.

 

chilli: Sie leben mit ihrem Freund Volker Bruch zusammen in Berlin. Wann wollen Sie heiraten und eine Familie gründen?
Stein: Ich sage es mal so: Wir genießen das Jetzt! (lacht)

 

Text: Sven Hauberg / Fotos: © ZDF / Martin Spelda
Quelle: teleschau – der mediendienst