„Was ich im Fernsehen vermisse? Gute Musikshows!“

14 Jahre ist es her, dass Mirjam Weichselbraun zum „Bravo-Girl“ gewählt wurde – der Karrierestartschuss der damals 18-jährigen Österreicherin. Seitdem ist sie in ihrem Heimatland und in Deutschland als Moderatorin und Schauspielerin regelmäßig zu sehen. Viva Plus, MTV, ZDF, ORF: Es gibt kaum einen Sender, der noch nicht auf Weichselbraun setzte.

Unter anderem moderierte sie das österreichische „Dancing Stars“, die Übertragung des Wiener Opernballs, war Sidekick in der „Harald Schmidt Show“ und in „Wetten dass ?“ Im vergangenen Jahr änderte sich jedoch ihr Showalltag: im September wurde zum ersten Mal Mutter. Vater ist Ben Mawson, Manager der Sängerin Lana del Rey. In Deutschland wird die 32-Jährige demnächst wieder auf einer großen Bühne stehen: im Gerry-Weber-Stadion in Halle moderiert sie neben Johann Lafer und Horst Lichter „Die große Grillshow“ am Samstag, 02. August, 20.15 Uhr, im ZDF. Im Interview spricht Weichselbraun über ihr Mutterdasein, Entspannungsmöglichkeiten neben Kind und Karriere und ihre Wunsch-TV-Formate.

 

chilli: Frau Weichselbraun, wenn Sie sich einen Ort aussuchen dürften, an dem Sie den Tag verbringen würden: Wo wäre das?
Mirjam Weichselbraun: Vor kurzem war ich auf dem Kitzbüheler Horn zum Drehen. Dort war es unfassbar grün und nahezu menschenleer. Und dort würde ich gerne mal ohne Arbeit einen Tag nur für mich verbringen.

 

chilli: Ist diese Menschleere etwas, das Sie derzeit oft zum Entspannen suchen?
Weichselbraun: Zumindest brauche ich nicht ständig eine Menschenmenge um mich herum. Ich mag es, wenn es auch mal ganz ruhig ist. Wenn ich mal alleine bin oder zusammen mit meinem Kind und meinem Freund, kann ich das sehr genießen.

Das Trio für den Grill (von links): Johann Lafer, Mirjam Weichselbraun und Horst Lichter führen durch "Die große Grillshow" im ZDF.

 

chilli: Wie oft gibt es denn aktuell solche Entspannungsmomente?
Weichselbraun: Hundertprozentige Entspannung hat man mit einem kleinen Kind ja nie. Aber ich war gerade eine Woche lang mit meiner Schwester und meiner Mutter im Urlaub in Italien, und das war schon sehr entspannend.

 

chilli: Legen Sie im Urlaub vor allem die Füße hoch und machen nichts? Oder wollen Sie dann was erleben?
Weichselbraun: Früher konnte ich den ganzen Tag am Strand liegen, mittlerweile ist mir das aber zu langweilig. Wenn ich irgendwo bin, wo es was zu sehen gibt, will ich das auch sehen.

 

chilli: Viele junge Mütter erzählen, ihr Leben habe sich seit der Geburt des ersten Kindes komplett verändert. Sie scheinen das Mutterdasein hingegen nicht zwingend aufbauschen zu wollen …
Weichselbraun: Obwohl sich mein Leben natürlich auch verändert hat. Aber ich vermisse nichts aus der Zeit ohne Kind. Klar, ich stelle mich jetzt voll und ganz auf mein Kind ein, aber ich habe mich als Mensch noch nicht verändert und mein Freund sich auch nicht. Es ist einfach nur eine Person dazugekommen. Und die ist sehr fröhlich und entspannt.

 

chilli: Haben Sie sich aufs Elternsein vorbereitet?
Weichselbraun: Ich habe keine Bücher darüber gelesen oder so. Ich meine: Früher sind die Kinder ja auch groß geworden, ohne dass sich die Eltern wahnsinnig gemacht haben. Ich werde immer mein Bestes geben, weiß aber auch, dass ich nicht alles richtig machen kann. Wer kann das schon?

 

chilli: Sicherlich haben Sie in den ersten Monaten mit Kind aber schon viel gelernt.
Weichselbraun: Ja. Gelassenheit. Während ich früher meist spontan Sachen entschieden habe, gibt jetzt die Kleine den Takt vor, weshalb ich auch nicht ständig denke, ich müsste mich um dieses und jenes Projekt dringend kümmern. Damit komme ich ganz gut zurecht.

 

chilli: Nun ist auch Ihr Freund im Showgeschäft und viel unterwegs. Heißt das, Ihre Zwillingsschwester Melanie Binder ist eine vielbeschäftigte Babysitterin?
Weichselbraun: Ja, sie passt schon auf die Kleine auf, aber es ist an sich eher selten, dass unser Kind nicht entweder bei Ben oder mir oder eben uns beiden ist. Auch wenn ich arbeite, ist meine Tochter meistens bei mir und reist auch mit mir.

 

chilli: Sie haben schon wenige Monate nach der Geburt wieder angefangen zu arbeiten. Hatten Sie Angst, dass sich das Showgeschäft ohne Sie weiterdreht?
Weichselbraun: Nein, das hat sich eher so gegeben. Ich hätte mir aber natürlich keine zwei oder drei Jahre Zeit lassen wollen, bevor es weiter ging. Dazu ist das Geschäft dann doch zu schnelllebig.

 

chilli: In welchem Land arbeiten Sie denn momentan am liebsten?
Weichselbraun: Ich entscheide immer eher projektbezogen, was ich mache, also danach, wo die Arbeit ist. Natürlich bin ich gerne in Österreich, aber ich mache auch in Deutschland tolle Sachen.

 

chilli: Haben die Österreicher das anspruchsvollere Unterhaltungsprogramm im TV?
Weichselbraun: Das weiß ich nicht. Wir haben halt weniger Programme, dadurch gibt es auch eine geringere Auswahl. Was wir auf jeden Fall im Programm haben, ist ein guter Humor. Unsere Kabarettszene ist zum Beispiel sehr stark. Ich persönlich liebe auch die Filme mit Josef Hader.

"Es passieren unheimlich viele Dinge, die vorher nicht geplant sind": Mirjam Weichselbraun (mit Horst Lichter) macht gerne bei der großen Grillshow im ZDF mit.

 

chilli: Und was mögen Sie am deutschen Programm?
Weichselbraun: Ich mochte zuletzt zum Beispiel „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ mit Xavier Naidoo und Co. Fand ich eine ganz tolle Idee.

 

chilli: Weil der Star der Show ein Österreicher war?
Weichselbraun: (lacht) Nein, nicht nur wegen Andreas Gabalier. Auch alle anderen Künstler in der Show waren großartig. Was mich besonders beeindruckt hat war, wie viel Respekt alle voreinander hatten.

 

chilli: Haben Sie noch eine deutsche Lieblingssendung?
Weichselbraun: Ich mag Shows mit Guido Maria Kretschmer und mit Stefan Raab.

 

chilli: Ob Österreich oder Deutschland – Sie werden in beiden Ländern gerne gesehen. Demnächst wird man Sie auf einer eher ungewöhnlichen Bühne erleben: Im Gerry-Weber-Stadion für „Die große Grillshow“ mit Horst Lichter und Johann Lafer. Schon zum zweiten Mal moderieren Sie das Format. Sind Fleisch und Würstchen wirklich Ihr Ding – oder nehmen Sie solche Jobs einfach mal mit?
Weichselbraun: Das Publikum ist super, es passieren unheimlich viele Dinge, die vorher nicht geplant sind, und ich mag Lichter und Lafer einfach sehr. Und nachdem ich schon im letzten Jahr viel Spaß dabei hatte, habe ich jetzt nicht lange überlegen müssen, ob ich es noch mal machen werde.

 

chilli: Johann Lafer, Horst Lichter, Klaus Eberhartinger, der Co-Moderator beim österreichischen „Dancing Stars“-Format: Die alternden Herren scheinen Ihnen zu liegen.
Weichselbraun: (lacht) Ich habe ja relativ früh angefangen zu arbeiten, deshalb hatte und habe ich auch immer wieder mit Leuten unterschiedlichen Alters zu tun. Wobei es mir nicht ums Alter geht, wenn ich mit jemandem etwas mache, sondern nur darum, ob ich mit ihm gut klarkomme. Genauso ist es privat. Auch mein Freundeskreis ist altersmäßig sehr durchmischt. Ich habe auch Freunde, die über 80 sind. Maximilian Schell war Taufpate meiner Tochter.

 

chilli: Wenn Sie sich zum Schluss noch mal was wünschen dürften, eine Show ganz nach Ihrem Geschmack: Was wäre das?
Weichselbraun: Was ich im Fernsehen vermisse, sind gute Musikshows – wenn ich auch weiß, dass Musik an sich im Fernsehen nicht so gut läuft. Ich stehe generell sehr auf gute Interviews und Diskussionsrunden, die gerne auch etwas jünger sein dürfen. Maischberger, Jauch und Co. – das ist alles fein. Aber es könnte doch auch mal etwas geben, das für 30-Jährige und Jüngere relevanter ist.

 

chilli: So in der Art von “Roche & Böhmermann?
Weichselbraun: Ja, die fand ich gut! Ich mag ja auch Jan Böhmermann sehr.

 

chilli: Würden Sie eine solche Show denn auch moderieren wollen?
Weichselbraun: Ja, würde ich machen.

 

Text: Erik Brandt-Höge / Fotos: © ZDF / N. Kalle, M. Gonzalez-Ortiz, S Pick / Montage Fernsehmache
Quelle: teleschau – der mediendienst