Er ist seit 50 Jahren im Musikgeschäft, hat über 100 Millionen Platten verkauft. Und dennoch: Rod Stewart ist beim Interview im Londoner Hotel „The Dorchester“ aufgeregt wie ein kleines Kind. Gerade hat der 68-Jährige sein neues Album „Time“ herausgebracht, das er bei zwei Konzerten, in Dortmund und Hamburg, auch in Deutschland live präsentieren wird. Nach diversen „American Songbook“-Alben und einer Weihnachtsplatte ist es das erste Werk seit 13 Jahren, für das „Rod The Mod“ wieder selbst geschrieben und produziert hat. In Großbritannien landete er damit auf der Pole-Position der Charts – das erste Mal seit seinem „Greatest Hits“-Album von 1979. Und auch in Amerika stellte Stewart damit eigene Rekorde auf. Kein Wunder: Es ist sein bisher persönlichstes Album, eine Bestandsaufnahme zwischen Rockstar-Dasein und Familienglück, die klingt wie seine vertonte Autobiografie. Und obwohl auch bei ihm nicht immer alles glatt lief, hat der achtfache Vater mit der Vergangenheit Frieden geschlossen.

Will sich mit 68 noch mal beweisen: Rod Stewart veröffentlichte kürzlich "Time", sein erstes Album mit eigenen Songs seit 13 Jahren.

 

chilli: Herr Stewart, spielen Sie eigentlich noch Fußball?
Rod Stewart: Klar! Sogar auf der Bühne bei meinen Konzerten kicke ich den Ball! Und in Kalifornien, wo ich seit Ende der Siebziger lebe, spiele ich in einer Altherrenmannschaft. Wir sind alle über 50. Es ist sehr viel Konkurrenz innerhalb der Liga. Wir haben das beste Team gegen uns, die heißen The Germans, denn es sind sieben Deutsche in dem Team. Gegen die liefern wir immer ein gutes Spiel.

chilli: Weil die Deutschen immer verlieren?
Stewart: Nein, nicht deshalb. Sie haben uns im letzten Spiel 4:2 geschlagen! Wenn Männer Fußball spielen, ist es immer ziemlich unerbittlich. Das gefällt mir. Und danach können wir dann wieder Spaß zusammen haben.

chilli: Vor einigen Monaten wurden Sie zum Youtube-Star, weil Sie bei einem Champions-League-Spiel Ihres Fußballvereins Celtic Glasgow vor Freude geweint haben. Hat Sie das selbst überrascht?
Stewart: Und wie! Der „heulende Rod“ war mit anderthalb Millionen Klicks in 24 Stunden das am zweithäufigsten gesehene YouTube-Video des Tages, gleich nach Barack Obama, der an diesem Tag als Präsident wiedergewählt wurde. Ich finde aber, dass man sich für seine Tränen nicht schämen sollte. Ich weine ständig, und je älter ich werde, desto schlimmer wird es mit mir. Außerdem hat es mir so viel bedeutet, dass Celtic gewonnen hat, weil ich dabei an meinen verstorbenen Vater denken musste. Er hat mich immer unterstützt.

chilli: Welche Gefühle haben Sie bezüglich Ihres neuen Albums?
Stewart: Ich bin unglaublich stolz darauf! Das liegt daran, dass es mich große Überwindung gekostet hat, endlich wieder eigene Texte zu schreiben und so viel Privates preiszugeben. Mir fehlte anfangs das Selbstvertrauen, ich zweifelte an meiner Kreativität. Aber ich habe wieder Blut geleckt und will weiterhin Songs schreiben. Das ist mein großes Ziel für die nächsten Jahre.

Nachdenklicher Superstar: "Ich denke viel darüber nach, wie mein Vermächtnis aussieht. Ich glaube, dass fast alle großen Künstler in meinem Alter noch einmal beweisen möchten, was sie draufhaben", sagt Rod Stewart.

 

chilli: Geht es Ihnen darum, sich mit 68 noch einmal zu verewigen?
Stewart: Natürlich. Ich denke viel darüber nach, wie mein Vermächtnis aussieht. Ich glaube, dass fast alle großen Künstler in meinem Alter noch einmal beweisen möchten, was sie draufhaben. Man muss sich nur David Bowie ansehen, der gerade ein grandioses Comeback gefeiert hat. Aber es steckt auch noch ein privates Anliegen dahinter: Ein Lied wie „Pure Love“, das ich meinen Kindern gewidmet habe, bleibt, auch wenn ich mal nicht mehr lebe. Das ist ein schöner, hoffnungsvoller Gedanke. Außerdem habe ich in den Songs auch einige Ratschläge für meine Kinder verpackt.

 

chilli: Welche Ratschläge sind das?
Stewart: Zum Beispiel, immer die Füße am Boden zu behalten. Mir liegt es am Herzen, dass ich ihnen solche Dinge ohne erhobenen Zeigefinger mit auf den Weg gebe und sie selbst entscheiden, ob sie es annehmen wollen oder auch nicht.

chilli: Und funktioniert das?
Stewart: Ich glaube schon. Im Lied „Live The Life“ spreche ich zu meinem 19-jährigen Sohn Liam, der Eishockey in der kanadischen Juniorenliga spielt. Vor einiger Zeit hatte er sich in ein Mädchen verliebt und fing plötzlich an, seinen Blick vom Puck abzuwenden. Dabei hat er immer noch die große Chance, Profi-Spieler zu werden. Er wurde sogar für die Jugend-Nationalmannschaft von Großbritannien ausgewählt. Und ich hatte wirklich die Befürchtung, er würde das alles hinschmeißen.

chilli: Was haben Sie ihm gesagt?
Stewart: Ich habe ihm ganz unverbindlich geraten, am Ball beziehungsweise am Puck zu bleiben. Wenn man in seinem Alter schon so weit mit seiner Karriere gekommen ist und sogar seinen Lebensunterhalt damit verdienen könnte, sollte man das nicht einfach aufgeben, auch nicht für die Liebe. Er würde es eines Tages bereuen.

Rod Stewart ist nach eigener Aussage "brav geworden. Allerdings macht mir Sex immer noch Spaß. Ich muss es nur nicht mehr zweimal am Tag tun."

 

chilli: Haben Sie immer die richtigen Entscheidungen im Leben gefällt?
Stewart: Ich hatte das Glück, oft genug zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Die wichtigen Dinge haben sich also meist ohne mein Zutun entschieden, auch weil sich die richtigen Leute auf meine Seite geschlagen haben. Ohne die geht es nicht.

chilli: Ihre Weltkarriere hat sich also einfach so ergeben?
Stewart: Ich habe nie verbissen an meinem Erfolg gearbeitet und war immer sehr locker und lässig. Ich weiß, dass ich einen großartigen Job habe, und bin sehr dankbar dafür. Aber es gibt ernsthaftere, wichtigere Dinge als die Musik: Gesundheit zum Beispiel. Und Liebe. Meine Priorität lag und liegt immer bei meiner Familie, den Kindern und besonders bei meiner Frau Penny.

 

chilli: Das war nicht immer so. Sie hatten unzählige Affären und sogar mal gesagt, man hätte Ihnen die Frauen vom Leib kratzen müssen …
Stewart: Alles vorbei! Ich bin echt brav geworden. Allerdings macht mir Sex immer noch Spaß. Ich muss es nur nicht mehr zweimal am Tag tun.

chilli: In Ihren Songs beschäftigen Sie sich ausgiebig mit Ihren Ex-Lieben. Wie findet Penny das?
Stewart: Natürlich war es für sie erst mal merkwürdig. Aber dann habe ich ihr erklärt, warum ich einen Song wie „It’s Over“, der sich um meine Scheidung von Rachel Hunter dreht, geschrieben habe. Der Text reflektiert, was passiert ist, als die Ehe zerbrach, und wie viel Traurigkeit so eine Trennung auf allen Seiten nach sich zieht.

Abgklärt mit 68? "Ich bin zwar nicht immer Mister Happy, aber die meiste Zeit sehr positiv und kurz davor, zum Freudensprung anzusetzen. Außer beim Fußball, da gehen regelmäßig die Pferde mit mir durch, und ich raste richtig aus", erklärt Rod Stewart.

 

chilli: Rachel Hunter war die erste Frau, die Sie verlassen hat.
Stewart: Ja, und ich habe das wohl auch gebraucht. Es war wie eine ordentliche Kopfnuss, auch wenn ich ihr so treu war wie keiner anderen zuvor. Aber am wichtigsten ist ja, dass ich dadurch Penny getroffen habe.

chilli: Was lieben Sie an Penny?
Stewart: Sie ist schön, innerlich wie äußerlich. Sie ist alles, was sich ein Mann nur wünschen kann. Und ganz ehrlich, in meinem Alter ist es ein Geschenk, eine so tolle Frau an der Seite zu haben. Sie verliert nie ihre Fassung und ist sehr ausgeglichen, das liebe ich.

chilli: Wie ist das bei Ihnen, rasten Sie manchmal aus?
Stewart: Nun, ich fahre schon mal aus der Haut und kann dann auch laut werden. Aber Penny hat mir über die Jahre beigebracht, mein Temperament im Zaum zu halten und erst mal durchzuatmen. Ich bin zwar nicht immer Mister Happy, aber die meiste Zeit sehr positiv und kurz davor, zum Freudensprung anzusetzen. Außer beim Fußball, da gehen regelmäßig die Pferde mit mir durch, und ich raste richtig aus.

 

chilli: Neben dem Fußball haben Sie ja noch eine andere Leidenschaft, die man bei Ihnen ganz und gar nicht vermuten würde …
Stewart: Sie sprechen von meiner Modelleisenbahn? Daran bastle ich tatsächlich ständig herum. Die Anlage basiert auf einer Streckenlinie der amerikanischen Ostküste von 1945. Das war das Jahr, in dem ich geboren wurde. Der Bahnhof, jede Lokomotive, die Kleidung der Leute – alles muss in besagte Ära passen. Schließlich bin ich Mitglied der Modelleisenbahn-Gesellschaft und werde als großer Modellbau-Meister angesehen. Das ist eine sehr ernstzunehmende Angelegenheit!

Rod Stewart auf Deutschland-Tournee:
03.07., Dortmund, Westfalenhalle
12.09., Hamburg, O2 World

Fotos: Universal
Quelle: teleschau – der mediendienst