Der deutsche Dr. McDreamy

Die meisten, vorwiegend weiblichen, Zuschauer dürften Roy Peter Link (32) noch aus der SAT.1-Telenovela „Anna und die Liebe“ (2008) kennen. Der Auftritt an der Seite von Jeannette Biedermann bedeutete für den Kölner den Durchbruch als Schauspieler. Es folgten einige Filmrollen, bevor er 2012 für die ARD-Ärzteserie „In aller Freundschaft“ engagiert wurde, in der er den Gynäkologen Dr. Ahrend spielt. Sein attraktives Äußeres und seine charmante Art lassen die Herzen der Damen in der TV-Klink höher schlagen. Und natürlich auch die der weiblichen Fans. Grund genug, Link für die Hauptrolle in dem „In aller Freundschaft“-Spin-Off „Die jungen Ärzte“ zu besetzen. Ab 22. Januar ist der Serienableger immer donnerstags, 18.50 Uhr, im Ersten zu sehen. Dabei erinnert nicht nur der Titel der Sendung an das amerikanische Format „Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte“, Link könnte auch problemlos dem bisherigen „Dr. McDreamy“, Patrick Dempsey, den Rang als TV-Arzt mit dem meisten Sex-Appeal ablaufen.

Roy Peter Link ist das Zugpferd der neuen wöchentlichen ARD-Serie "Die jungen Ärzte".

 

chilli: „In aller Freundschaft“ läuft bereits seit 1998 und hat 2014 den Bambi als „Populärste TV-Serie des Jahres“ erhalten. Wurde langsam mal Zeit, oder?
Roy Peter Link: Definitiv! Denn jetzt mal ganz nüchtern betrachtet: Das sehen sich jeden Dienstag sechs bis sieben Millionen Zuschauer an – obwohl die Serie in den letzten Jahren totgeschwiegen wurde und medial keinerlei Aufmerksamkeit hatte. Zumindest nicht so, wie es angemessen gewesen wäre, wenn man sich mal ansieht, welche Luftsprünge es gibt, wenn andere Formate lediglich vier Millionen erreichen. Deshalb bin ich froh, dass das Publikum dafür gesorgt hat, dass die Serie die lang verdiente Anerkennung erhält.

 

chilli: Und nun übernahmen Sie die Hauptrolle in der neuen Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“. Worum geht es?
Link: Es handelt sich um ein Spin-off von „In aller Freundschaft“. Die Serie spielt in Leipzig, und darin gibt es die Figur Dr. Niklas Ahrend , den Gynäkologen, den ich verkörpere. Nach einigen privaten Irrungen und Wirrungen in der Klinik – zum Beispiel hat er eine Krankenschwester geschwängert, ohne deren Ehemann um Erlaubnis zu bitten – und anderen Geschehnissen, sind seine Karrierechancen vor Ort gleich Null. Als er dann das Angebot bekommt, als Oberarzt im Johannes-Tal-Klinikum zu arbeiten, nutzt er die Gelegenheit für einen Neuanfang. Dort angekommen wird er vor die unerwartete Aufgabe gestellt, sich um fünf Assistenzärzte zu kümmern. Neben dieser Herausforderung am neuen Arbeitsplatz, hat Dr. Ahrend noch seinen Sohn und dessen Mutter sowie seine Schwester, die in seiner alten Umgebung in Leipzig leben. Er muss eine Menge unter einen Hut bekommen.

 

chilli: Dann sind die beiden Serien sind so stark miteinander verwoben, dass es auch weiterhin gemeinsame Dreharbeiten gibt?
Link: Genau. Wir treffen wöchentlich aufeinander. Unsere Charaktere bewegen sich sowohl in Leipzig als auch in Erfurt.

 

chilli: Der Titel der Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ erinnert stark an die amerikanische Krankenhausserie „Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte“.
Link: Das ist reiner Zufall! Es geht einfach um die jungen Ärzte, deshalb konnte die Serie nicht „Die alten Ärzte“ heißen. (lacht)

 

chilli: Verspricht man sich dadurch nicht mehr Erfolg, indem man den identischen Titel einer dermaßen erfolgreichen Serie nimmt, die auch inhaltliche Parallelen aufweist?
Link: Ich habe „Grey’s Anatomy“ noch nie gesehen. Aber selbstverständlich ist es dieselbe Seriennische. Ich kann nur sagen: Eine der großen Stärken unserer Serie ist, dass sich die Figuren ständig weiterentwickeln.

"Die jungen Ärzte" bereiten sich auf ihren Einsatz vor - ab 22. Januar im Ersten.

 

chilli: Bleiben Sie in „Die jungen Ärzte“ der Frauenheld aus „In aller Freundschaft“ oder konzentrieren Sie sich in der neuen Klinik mehr auf den Job als auf die Damenwelt?
Link: Dass ich ein Frauenheld bin, wurde mir ja in Leipzig einfach unterstellt. (lacht) Aber natürlich hat Dr. Ahrend auch in Erfurt ein Liebesleben – mit wem und mit wievielen, das ist noch nicht absehbar.

 

chilli: Sind Sie privat vergeben, oder konzentrieren Sie sich momentan voll und ganz auf Ihre neue Rolle?
Link: Ich habe momentan keine Partnerin – aber das hat nichts mit meinem Job zu tun.

 

chilli: Erwartet man bei dem Crossover „Die jungen Ärzte“ dieselben Zuschauer wie bei „In aller Freundschaft“, oder wird auf eine jüngere Zielgruppe gehofft?
Link: Ich kann mir gut vorstellen, dass diejenigen, die regelmäßig dienstags „In aller Freundschaft“ ansehen, dann auch gezielt „Die jungen Ärzte“ einschalten, weil sie dort auf einige altbekannte Charaktere treffen. Ich würde es mir wünschen. Aber die Serie ist selbstverständlich auch perfekt für Neueinsteiger, die „In aller Freundschaft“ nicht kennen.

 

chilli: Viele junge Damen, die Sie beispielsweise noch aus der SAT.1-Telenovela „Anna und die Liebe“ kennen, schalten wahrscheinlich ein, weil Sie das Zugpferd der neuen Serie sind.
Link: Das wäre toll!

 

chilli: Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht zwingend eine Schauspielschule besucht haben muss, um in dem Beruf zu arbeiten. Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Link: Die Schauspielerei stand für mich immer an erster Stelle, aber dann funkte meine Mutter dazwischen, und ich machte eine Ausbildung zum Maler- und Lackierer. Das war auch gar nicht verkehrt, weil man während der Lehre nicht nur den Beruf erlernt, sondern auch eine Menge mehr fürs Leben. Aber meine Leidenschaft für die Schauspielerei stand immer außer Frage.

Die erste Klappe für "Die jungen Ärzte" ist gefallen.

 

chilli: Die Leidenschaft war sogar so groß, dass Sie sich anfänglich ziemlich planlos nach Köln aufmachten, dort in Ihrem Auto schliefen und unangemeldet Casting-Agenturen abklapperten.
Link: Ich bin eigentlich nur in Köln gelandet, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass sich dort Fernsehstudios befinden. Es war ein bisschen blöd, einfach in den Studios aufzutauchen, ohne überhaupt zu wissen, was beispielsweise eine Vita ist. Aber dann musste ich das eben alles lernen. Darunter habe ich aber nie gelitten, sondern lernte aus den Fehlern und machte mir step by step immer neue Pläne, um meine Ziele zu erreichen.

 

chilli: Sie haben bisher hauptsächlich in Serien gespielt. Haben Sie eine Wunschrolle – vielleicht eine, in der Ihr Aussehen einmal nebensächlich wird?
Link: Nein. Wir werden ja alle irgendwann älter, sodass ich dann wohl automatisch irgendwann für weniger attraktive Charaktere besetzt werde. Mit 60 Jahren werde ich wahrscheinlich ganz andere Rollen spielen, sodass ich diesem natürlichen Prozess einfach seinen Lauf lasse. Im Gegensatz zu anderen Kollegen wünsche ich mir auch nicht, in einem historischen Film mitzuspielen, weil ich noch nie jemandem begegnet bin, der sich in den Kostümen wohlgefühlt hat. Ebenso wenig würde ich Rollen in Filmen annehmen, die Titel tragen wie „Schlaflos in Alaska“. Da braucht sich niemand wundern, wenn er dann während der Dreharbeiten friert.

 

chilli: Wäre der Beruf Arzt etwas für Sie gewesen?
Link: Überhaupt nicht.

 

chilli: Was schreckt Sie ab?
Link: Eigentlich alles, angefangen beim Gesundheitssystem, das überhaupt nichts mit Gesundheit zu tun hat. Wenn ich mal zum Arzt gehen sollte, dann nur, wenn ich mir was gebrochen hätte. Ansonsten liegt der größte Teil der Gesundheit in der eigenen Hand. Es ist falsch, zur Symptombehandlung zum Arzt zu rennen. Ich kann ja auch nicht mein Auto im Sommer unter einer Linde parken und erwarten, dass es sauber bleibt. Das verklebt dann und egal, wie oft ich es wasche, kommt von oben wieder der Dreck herunter. So ähnlich empfinde ich das. Daneben ist der Beruf Arzt ein Knochenjob. Die Gedanken: „Junge, werde ein Gott in Weiß!“ oder „Mädchen, heirate einen Doktor“ sind vollkommen überholt. Ärzte arbeiten so hart und reiben sich auf, teilweise in 24-Stunden-Schichten. Dafür benötigt man schon eine ganz besondere Begeisterung für den Beruf.

 

chilli: Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
Link: Ich bewege mich sehr viel, wenn ich kann. Der richtige Weg zur wirklichen Gesundheit ist meiner Meinung nach, dass man in sich hineinhört und beobachtet, mit welchen Gedankenmustern man eigentlich lebt. Man kann es so unglaublich gut mit sich und seinem Körper meinen und dabei aber so unglaublich daneben liegen. Man muss schauen, in welcher Gesellschaft man eigentlich lebt und erkennen, dass es kein Zeichen von Gesundheit ist, an eine zutiefst kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. Lediglich an der Oberfläche zu kratzen, indem man sagt: „Ich gehe ab und zu joggen“ oder „Ich ernähre mich jetzt mal gesund“, damit ist es nicht wirklich getan. Jeder muss für sich herausfinden, wo sein Platz ist und wie man Harmonie findet.

 

chilli: Haben Sie die gefunden?
Link: Ich bin noch auf der Suche – und mich dabei zu beobachten, das macht sogar Spaß.

 

 

Text: Autor: Vanessa Schwake / Fotos: © MDR / Saxonia / Wernicke; ARD / Tom Schulze
Quelle: teleschau – der mediendienst