Der Impresario
Es ist schon ein Wagnis, das Samu Haber da eingeht. Seinen gemütlichen Drehstuhl in der „Voice of Germany“-Jury hat der Finne verlassen, um sich einem neuen TV-Projekt zu widmen. In „Die Band“ will Haber aus 20 unterschiedlichen Musikern die perfekte fünfköpfige Band formen: Schlagzeuger, Keyboarder, Bassisten, Gitarristen und Frontfrauen und -männer konnten sich bewerben. Der 39-jährige Coach, Sänger von Sunrise Avenue, lud die Bewerber nach Barcelona ein, um sie dort einem Auswahlprozess zu unterziehen, der auch immer wieder Live-Konzerte vor neutralem Publikum beinhaltet. Bislang konzentrierten sich alle erfolgreichen Musik-Castingshows im TV auf Gesang. Bei „Die Band“ stehen nun fünf Instrumentalisten im Fokus – Gesang ist nur eine Disziplin davon. Ob „Die Band“ das Mainstream-Publikum tatsächlich für das „Innenleben“ einer Musikerformation begeistern kann, wird sich ab Donnerstag, 25. Juni, ab 20.15 Uhr, bei ProSieben zeigen.

Berater, nicht Entscheider: In der neuen ProSieben-Musikshow "Die Band" coacht Samu Haber junge Musiker, die sich selbst zur bestmöglichen Band zusammenfinden sollen.

 

chilli: Dass Castingshows Sänger suchen, ist im Fernsehen ein alter Hut. Erinnern Sie sich an eine, die eine echte Band suchte?
Samu Haber: Nein, ich kann mich nicht an eine Show erinnern, die sich auf die Suche einer kompletten Band fokussierte. Als mir der Job bei „Die Band“ angeboten wurde, habe ich das erst realisiert. Natürlich ist das Risiko auch höher, da viele verschiedene, starke Persönlichkeiten involviert sind. Aber ich hoffe, das macht das Ganze umso spannender.

 

chilli: Weshalb haben Sie sich entschieden bei „Voice of Germany“ auszusteigen und bei diesem neuen Format mitzumachen?
Haber: Die zwei Staffeln „The Voice“ gehören zur besten Zeit meines Lebens. Ich werde immer dankbar für die Chance und die Erfahrung sein. Aber ich wollte etwas Neues, eine neue Herausforderung – da kam „Die Band“ genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich weiß, ich werde im Herbst „The Voice“ anschauen und mir denken: Warum zur Hölle bin ich ausgestiegen? Der Job dort macht einfach so viel Spaß!

 

chilli: Kommen wir zurück zu „Die Band“. Was wird aus der gecasteten Siegerformation, wenn die Show vorbei ist?
Haber: Ich hoffe, die Leute aus der Gewinner-Band werden Karriere machen. Ich werde sie auch nach der Show bei Studioaufnahmen, Deals und allem anderen unterstützen. Aber komme was wolle, wir haben jetzt schon alle sehr viel über das Musikgeschäft und uns selbst gelernt. Ich habe die Zeit mit diesen jungen und coolen Leuten sehr genossen.

 

chilli: Können Sie erklären, wie echte Magie zwischen Musikern zustande kommt? Was ja erst eine wirklich großartige Band entstehen lässt…
Haber: Zuallererst müssen die Mitglieder musikalisch harmonieren, da sie in unserer Show in einer sehr kurzen Zeit zusammenwachsen. Das heißt, sie müssen die gleiche musikalische Richtung einschlagen wollen. Danach geht es nur noch um die Chemie. In jeder Band gibt es lautere und ruhigere Mitglieder. Sie müssen lernen, sich zu respektieren und als Gruppe zu leben und zu reisen. Am Anfang ist das wirklich sehr wichtig, weil man die ersten Jahre rund um die Uhr Zeit miteinander verbringt.

 

chilli:Ist eine Band wie eine Familie oder ist dieser Vergleich ein Klischee?
Haber: Ja und nein. Am Anfang, in den ersten Jahren, verbringt man mehr Zeit miteinander als in einer Familie. Mit der Zeit wird die Band ein kleinerer Bestandteil im Leben und man trifft sich nur noch, um Musik zu machen. So läuft es immer. Aber andererseits verbringen Kinder, wenn sie größer werden, auch immer weniger Zeit mit ihren Eltern. Wenn man es also so sieht, ist die Band tatsächlich wie eine Familie. Als Teenager sieht man seine Eltern und Großeltern ja auch meistens nur zu besonderen Anlässen.

Cooler Finne unter katalanischer Sonne: Samu Haber lässt sein Musikgruppen-Casting "Die Band" unter der Sonne Barcelonas stattfinden.

 

chilli: Was wäre Ihr alternativer Berufswunsch gewesen, wenn es mit der Musiker-Karriere nicht geklappt hätte?
Haber: Ich hatte darüber nachgedacht, Eishockey-Spieler zu werden. Zum Glück ist mir schon als Teenager klar geworden, dass ich keine Chance hatte. Danach habe ich verschiedene Jobs ausprobiert. Das hilft mir heute noch, wenn ich mich um Band-Angelegenheiten kümmere und Strategien für uns entwickle. Wenn man nur Musik machen kann, aber nichts vom Business um sich herum versteht, ist man zu sehr auf andere angewiesen. Ich mag es, die Dinge unter Kontrolle zu haben. Dann weiß ich, wo es lang geht.

 

chilli: Denken Sie, dass die Zuschauer sich heute mehr für Live-Musik im Fernsehen interessieren als vor einigen Jahren? Der Erfolg von Sendungen wie „Sing meinen Song“ bei VOX war beispielsweise eine große Überraschung für viele TV-Experten. Weil es da ja „nur“ um live gespielte Musik geht, ohne die Casting-Idee?
Haber: Ich denke, dass Musik immer am besten ist, wenn sie live gespielt wird. Menschen respektieren Musik einfach mehr, wenn sie wirklich echt ist – und nicht von irgendeinem dummen Playback kommt. Vor etwa zehn Jahren, als Viva und MTV immer weniger Musik gespielt haben, war ich ein wenig besorgt. Nun sieht es wieder besser aus – weil viele TV-Kanäle Musik-Shows ausstrahlen, in denen auch lokale Künstler zu sehen sind und nicht nur importierte US-Superstars.

 

chilli: Wenn das mit der Live-Musik ein TV-Trend ist, warum passiert der gerade jetzt? Haben Sie eine Erklärung dafür?
Haber: In den erfolgreichen Formaten geht es immer um viel mehr als nur die Musik – das ist der Trick. Es gibt Drama, spannende Persönlichkeiten und Hintergrundgeschichten. Ich liebe es einfach, Fernsehen zu machen. Das ist sozusagen mein Zweitjob geworden – „The Voice of Germany“ hat mir das ermöglicht. Ich bin dafür sehr dankbar. Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft solche Sachen machen kann. Ich genieße es, solange es dauert. Genau wie alles andere im Leben.

 

Text: Eric Leimann / Fotos: © ProSieben
Quelle: teleschau – der mediendienst