Sind Sie eitel, Tom Beck?

Tom Beck kann nur „Cobra 11“? Ein Vorurteil. Der 37-jährige Schauspieler und Sänger, der durch seine Jahre als RTL-Autobahnpolizist (2008 bis 2013) bekannt wurde, hat von „Rosamunde Pilcher“ über Til Schweigers „Zweiohrküken“ bis Matthias Schweighöfers „Vaterfreuden“ schon bei zahlreichen unterschiedlichen TV- und Kinoproduktionen mitgewirkt. Jetzt ist er im Fernsehfilm „Einstein“ zu sehen (Dienstag, 24. März, 20.15 Uhr, SAT.1). Beck spielt Felix Winterberg, den Urenkel des großen Albert Einstein. Winterberg ist ein Genie und der bislang jüngste Physik-Professor an der Bochumer Uni. Und er ist unheilbar krank. Deshalb will er seine Forschungen schnellstmöglich vorantreiben, arbeitet bis zu 21 Stunden am Tag. Schließlich greift er zu illegalen Aufputschmitteln und gerät mit dem Gesetz in Konflikt. Ein Gespräch mit dem 37-jährigen Schauspieler, der bereits eine Woche zuvor, am Dienstag, 17. März, in der turbulenten SAT.1-Komödie „Meine allerschlimmste Freundin“ mitgemischt hat, über Eitelkeiten, Talent, Stärken und Schwächen, ständige Unordnung und süße Laster.

"Ich bevorzuge eher den Out-of-Bed-Look": Tom Beck ist genau so lässig, wie er aussieht.

 

chilli: Herr Beck, sind Sie eitel?
Tom Beck: Eitel? Auf jeden Fall!

 

chilli: Wie drückt sich das aus?
Beck: Dadurch, dass ich morgens, bevor ich aus dem Haus gehe, immer unter die Dusche springe, Deo benutze und auch mal in den Spiegel schaue, um zu überprüfen, wie ich aussehe.

 

chilli: Brauchen Sie lange im Bad?
Beck: Nein, das nicht. Ich folge keinem metrosexuellen Schönheitsideal, für das man sich die Augenbrauen zupfen und die Fingernägel feilen müsste. Ich bevorzuge da eher den Out-of-Bed-Look und wuschele mir einfach ein paarmal durch die Haare.

 

chilli: Finden Sie das männlicher?
Beck: Männlich finde ich grundsätzlich etwas Kantiges. Dazu zählen auch ein paar Falten im Gesicht, in denen man das Leben abgezeichnet sieht.

Wenn er der Polizei nicht als Berater bei einem kniffligen Mordfall zur Verfügung steht, droht dem genialen Physikprofessor Felix "Einstein" Winterberg (Tom Beck) das Gefängnis. Zähneknirschend lässt er sich auf den Deal ein ...

 

chilli: Eitelkeit beschränkt sich ja nicht nur auf Äußerliches. Was ist Ihnen sonst noch wichtig, wenn Sie unter Leute gehen? Intelligentes Auftreten? Schlagfertigkeit? Worauf achten Sie besonders?
Beck: Authentizität ist mir am wichtigsten. Ich will mich für niemanden verbiegen oder verstellen.

 

chilli: Vermeiden Sie dann auch den Smalltalk?
Beck: Kommt drauf an, wo ich bin. In Amerika zum Beispiel gilt Smalltalk überhaupt nicht als oberflächlich, sondern ist einfach eine nette Umgangsform. Dort ist Smalltalk so normal, wie es für uns Deutsche ist, „Hallo“ und „Tschüss“ zu sagen.

 

chilli: Gehört zu Ihrer persönlichen Authentizität auch ein gesundes Selbstbewusstsein?
Beck: Ja, ich denke schon, das ist irgendwann auch normal. Je länger man in diesem Beruf arbeitet, je öfter man vor der Kamera steht, umso selbstbewusster wird man sicherlich auch.

 

chilli: Erinnern Sie sich, wann Sie zum ersten Mal so selbstbewusst waren, dass Sie – bezogen aufs Schauspiel – sagten: Hey, ich kann richtig was?
Beck: Ich bin noch nie an den Punkt gekommen, an dem ich sagen würde: Ich kann richtig was. Ich glaube, das Schauspiel ist das Einzige, was ich annähernd kann (lacht). Für mich gab es keine Möglichkeiten, irgendetwas Vernünftiges zu machen, nur deshalb wurde ich Schauspieler und Sänger.

 

chilli: Aber Sie haben doch Erfolg mit Ihrer Arbeit. Glauben Sie da nicht automatisch mehr an sich und Ihr Können?
Beck: Ich weiß schon, was meine Talente sind. Vor allem aber weiß ich, was ich nicht kann (lacht).

 

chilli: Was sind denn Ihre größten Stärken und Schwächen?
Beck: Ich glaube, ich habe ein komödiantisches Talent. Ich habe ein gutes Gefühl für Rhythmus und Timing, was einige andere Schauspieler nicht haben. Liegt wohl auch daran, dass ich Musiker bin. Ich kann anderen ganz gut die Bälle zuwerfen, aber auch zuhören und reagieren. Und meine Schwächen: Ich lege mich gerne in die Hände eines Regisseurs, der einen Plan hat, und lasse mich führen. Ich selbst weiß manchmal gar nicht so genau, wo es mit meiner Rolle hingehen soll.

 

chilli: Wobei viele Regisseure das wohl eher gut finden. Einige andere Schauspieler sind zu eitel, um sich führen zu lassen.
Beck: Aber es ist schon eine Schwäche von mir, dass ich oft den leichteren Weg suche, auch generell im Leben. Ich mache es mir oft sehr leicht, anstatt dorthin zu gehen, wo’s weh tut. Davor habe ich zwar keine Angst, aber ich brauche eben jemanden, der mich dorthin bringt.

 

chilli: Nach Ihren Engagements in großen Schweighöfer- und Schweiger-Kinoproduktionen sind Sie nun wieder im TV zu sehen. Welchen Stellenwert hat eine Rolle in der SAT.1-Produktion „Einstein“ für Sie?
Beck: Ich differenziere da gar nicht. So lange das Buch und die Figur sehr gut sind, ist mir egal, wo der Film später zu sehen ist. Und die Figur, die ich in „Einstein“ spiele, fand ich einfach spannend.

Wenn er der Polizei nicht als Berater bei einem kniffligen Mordfall zur Verfügung steht, droht dem genialen Physikprofessor Felix "Einstein" Winterberg (Tom Beck) das Gefängnis. Zähneknirschend lässt er sich auf den Deal ein ...

 

chilli: Was mögen Sie an Ihrer Rolle als Felix Winterberg?
Beck: Felix ist sehr zynisch und sarkastisch. Und komisch. Leider auch sehr tragisch. Seine Ausbrüche und sein fieses Verhalten sind ja dadurch motiviert, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Deshalb aber auch in gewisser Form gerechtfertigt.

 

chilli: Wie nah sind Sie selbst Einsteins Urenkel? Mit welchen seiner Züge können Sie sich identifizieren?
Beck: Er ist Perfektionist, wovon ich auch nicht weit weg bin. Andererseits ist er auch ein Chaot. Und wenn man sich mal meine Bude anguckt, gibt es da definitiv erkennbare Parallelen.

 

chilli: Inwiefern?
Beck: Ich lebe das organisierte Chaos. Mir ist es nicht so wichtig, ob hier und da mal ein paar Klamotten mehr oder weniger herumliegen. Ich horte auch viel, kann manches einfach nicht wegschmeißen. Erst nach ein, zwei Monaten bekomme ich das Gefühl, endlich mal wieder aufräumen zu müssen. Chaos darf man bei mir aber nicht verwechseln mit Schmutz. Ich achte schon darauf, dass es bei mir sauber ist. Ich sauge regelmäßig und wische auch durch.

 

chilli: Felix ist einerseits naturbegabt, andererseits arbeitet er auch 21 Stunden am Tag, um seine Ziele erreichen zu können. Kennen Sie das? Einen extremen Arbeitsdrang, um unbedingt etwas zu erreichen?
Beck: Ein Stück weit schon. Ich arbeite gerne, und gerne auch viel. Aber ich überarbeite mich nicht. Ich weiß genau, wann ich eine Pause brauche und höre dann auch auf. Außerdem schlafe ich gerne sieben, acht Stunden, darunter geht bei mir nicht viel. Ansonsten bin ich ziemlich unleidlich.

 

chilli: Auch schon mal zu unerlaubten Hilfsmitteln für die Leistungssteigerung gegriffen, wie Felix es im Film tut?
Beck: Nein, das habe ich noch nicht gebraucht. Ich schlafe ja genug.

 

chilli: Haben Sie andere Laster?
Beck: Ich esse zu viel Süßes. Könnte den ganzen Tag unbegrenzt Schokolade in mich rein stopfen. Dafür prügele ich mich aber auch vier- bis fünfmal die Woche zum Sport.

 

chilli: Was machen Sie da so? Laufen? Fitnessstudio?
Beck: Ja, genau, beides.

 

Text: Erik Brandt-Höge / Fotos: © SAT.1
Quelle: teleschau – der mediendienst