Nichts gegen das Herzkino!

Einer der bekanntesten deutschen Schauspieler mit einem fünfminütigen Kurzauftritt im ZDF-„Herzkino“? Warum nicht, sagt Uwe Ochsenknecht. Für ihn sind die Sonntagabendfilme im Zweiten Deutschen Fernsehen so etwas wie Fastfood für die Seele. Im neuesten „Herzkino“-Film „Nele in Berlin“ (Sonntag, 1. März, 20.15 Uhr, ZDF) spielt der 59-jährige Wahlberliner Ochsenknecht einen Sammler, der in der Bundeshauptstadt den Kunstbetrieb aufmischt. Eine Hauptrolle steht aber auch bald wieder an, und was für eine: In einer SAT.1-Produktion wird Ochsenknecht einen an Uli Hoeneß angelehnten Fußballmanager spielen. Mit dabei: sein Sohn Wilson Gonzales, auf den Vater Ochsenknecht mächtig stolz ist, wie er im Interview verrät.

"Mich freut es, wenn mich Menschen auf der Straße ansprechen und mir sagen, dass ihnen mein letzter Film gefallen hat", sagt Uwe Ochsenknecht.

 

chilli: Wir befinden uns im Hotel Bayerischer Hof. Bis gestern haben hier auf der Münchner Sicherheitskonferenz Spitzenpolitiker aus aller Welt über Krieg und Frieden diskutiert, jetzt reden wir über die heile Welt des „ZDF-“Herzkino” ?
Uwe Ochsenknecht: Ich habe nichts gegen den Begriff „Heile Welt“. Was ist dagegen einzuwenden, wenn man die Menschen von dem ganzen Wahnsinn, der momentan weltweit passiert, ablenken will? Das Fernsehen ist doch perfekt dazu. Aber jeder weiß auch, dass das „Herzkino“ nicht die reale Welt widerspiegelt. Ich esse auch immer mal wieder einen Hamburger, obwohl mit klar ist, dass das eigentlich nur Müll ist – aber wenn ich ihn esse, dann genieße ich ihn!

 

chilli: Dem „Herzkino“ wird oft unterstellt, sehr seichte Unterhaltung zu sein.
Ochsenknecht: Ich würde das „Herzkino“ nicht verurteilen. Es gibt offensichtlich ein großes Publikum für solche Filme. Zu meinem Beruf als Schauspieler gehört es, auch dieses Publikum zu bedienen, und das kann man ja auch möglichst gut machen. „Herzkino“ ist mehr als nur Rosamunde Pilcher! Wenn mir eine Rolle, die ich angeboten bekomme, gefällt – warum nicht?

 

chilli: Was gefiel Ihnen an der Rolle des Kunstsammlers Gastein in „Nele in Berlin“?
Ochsenknecht: Ich mochte an dem Charakter, dass er so ein wunderbar schräger Vogel ist. Er ist sonderbar, leicht mystisch und unnahbar.

Im ZDF-Film "Nele in Berlin" spielt Uwe Ochsenknecht den Kunstsammler Gastein, der Franziska Schiller (Katharina Müller-Elmau) aus der Patsche helfen muss.

 

chilli: Ihr Auftritt ist allerdings sehr kurz ?
Ochsenknecht: Die Herausforderung ist es, einen Charakter in so kurzer Zeit gut darzustellen. Es ist oft schwieriger, einer Rolle etwas Prägnantes zu verleihen, wenn man nur einen kurzen Auftritt hat und nicht volle 90 Minuten Zeit, um sich entfalten zu können.

 

chilli: Einer Ihrer letzten Fernsehfilme, „Der Bulle und das Landei“, wurde von der Kritik zerrissen. Hat Sie das gestört?
Ochsenknecht: Der Film wurde nicht zerrissen. Er hatte zum ersten Mal nicht ganz die Superquoten von den Filmen davor erreicht. Aber die Quote hat noch nie etwas über die Qualität eines Filmes ausgesagt!

 

chilli: Was ist Ihnen wichtiger – die Quote oder die Kritikermeinung?
Ochsenknecht: Immer die Meinung der Zuschauer! Wir wissen zwar mittlerweile, dass die Quotenerfassung nicht repräsentativ und das System veraltet ist. Aber die Zuschauermeinung ist mir wichtiger als die der Kritiker. Mich freut es, wenn mich Menschen auf der Straße ansprechen und mir sagen, dass Ihnen mein letzter Film gefallen hat.

 

chilli: Sie beginnen demnächst mit den Dreharbeiten zum SAT.1-Film „Udo Honig – Kein schlechter Mensch“. Darin spielen Sie einen an Uli Hoeneß angelegten Fußballmanager. Haben Sie Hoeneß getroffen?
Ochsenknecht: Ich werde keinen biografischen Uli Hoeneß spielen. Bei dem Film handelt es sich um eine Satire, da ist natürlich viel hinzugedichtet und überspitzt. Es geht nicht darum, Hoeneß darzustellen, sondern die Figur, die im Drehbuch steht. Deswegen muss ich Hoeneß auch nicht treffen. Als ich „Schtonk!“ drehte, traf ich Konrad Kujau ja auch nicht.

Ein Deutscher in Hollywood: In der US-Serie "Transporter" (auf DVD und BD erhältlich) spielt Uwe Ochsenknecht einen knallharten Killer.

 

chilli: Dennoch ist jedem klar, dass es sich bei der Filmfigur Udo Honig um Uli Hoeneß handelt. Kann man einer Person der Zeitgeschichte mit der nötigen Distanz begegnen?
Ochsenknecht: Auch wenn die Ereignisse um Uli Hoeneß noch nicht lange zurückliegen – er hatte ja schon vor der Steueraffäre eine Geschichte. Er hat den FC Bayern zu dem gemacht, was er heute ist. Auch darum wird es in dem Film gehen. Ich glaube, dass Hoeneß eine schillernde Persönlichkeit ist. Er ist nicht nur der aufbrausende, leidenschaftliche Fußballmanager, sondern hat auch andere Seiten, die es zu zeigen gilt. Es geht uns im dem Film nicht darum, über Hoeneß zu urteilen.

 

chilli: Sie werden in „Udo Honig“ erneut mit Heiner Lauterbach spielen.
Ochsenknecht: Darauf freue ich mich schon sehr. Auch Gisela Schneeberger und Hannes Jaenicke werden dabei sein. Es ist immer toll, mit alten Kumpels zu drehen! Mein Sohn Wilson Gonzales, der übrigens in einer Hauptrolle im neuen Oskar Roehler Film „Es lebe der Punk“ (ab 26. März im Kino, d. Red.) zu sehen sein wird, wird den jungen Uli Hoeneß spielen!

 

chilli: Wilson Gonzales ist zurzeit recht erfolgreich als Schauspieler unterwegs. Macht Sie das stolz?
Ochsenknecht: Es ist schön zu sehen, wie er seinen eigenen Weg geht und es schafft, dabei auf Qualität zu achten. Das macht mich natürlich stolz!

 

chilli: Sind Sie eine Art Mentor für ihn?
Ochsenknecht: Als Mentor würde ich mich nicht bezeichnen. Aber er schickt mir immer wieder Drehbücher, die ihm angeboten werden und fragt mich nach meiner Meinung. Dann diskutieren wir gemeinsam darüber. Die Entscheidung trifft am Ende jedoch immer er selbst. Er hat einen sehr guten Geschmack. Leider aber ist es heute ähnlich wie zu der Zeit, als ich noch jung war: Qualität ist dünn gesät!

 

 

Text: Autor: Sven Hauberg
Fotos: © ZDF / Pola Sieverding; Gabriela Meros; Universum
Quelle: teleschau – der mediendienst