Kanzlerin in Love

Zugegeben – dieser Filmstoff ist ziemlich fiktiv. In der Komödie „Die Staatsaffäre“ (Dienstag, 02.09., 20.15 Uhr, SAT.1) verliebt sich Veronica Ferres (49) in der Rolle einer deutschen Kanzlerin namens Anna Bremer in den französischen Staatspräsidenten, dargestellt von Philippe Caroit. Auch wenn der SAT.1-Eventfilm hier und da komödiantisch humpelt, als spannendes Gedankenspiel taugt er allemal. Veronica Ferres über die Prüderie der deutschen Öffentlichkeit und ihre eigenen Probleme mit mangelnder Privatheit.

Veronica Ferres als deutsche Bundeskanzlerin Anna Bremer - in der SAT.1 Liebeskomödie "Die Staatsaffäre".

 

chilli: Sie trafen Angela Merkel während der Dreharbeiten, wie ein gemeinsames Foto in Amtskluft verrät. War Frau Merkel etwa Beraterin des Films?
Veronica Ferres: Nein, das nun nicht (lacht). Ich war vor einigen Jahren mal im Kanzleramt zum Abendessen eingeladen – zusammen mit anderen Schauspielern und Künstlern. Seitdem kennen wir uns und trafen uns immer wieder bei unterschiedlichen Anlässen. Bei der letzten Begegnung sagte ich ihr, dass sie mir gerade sehr nahe ist, weil ich eine Bundeskanzlerin – aber nicht sie – spiele.

 

chilli: Wie hat sie reagiert?
Ferres: Dass meine Figur eine Liebesbeziehung zum französischen Staatspräsidenten hat, amüsierte sie ziemlich. Sicher auch deshalb, weil sie gerade auf dem Weg zum echten französischen Staatspräsidenten Francois Hollande war, den sie auf Rügen treffen sollte …

 

chilli: Hat die Kanzlerin darüber gesprochen, wie realistisch eine solche Beziehung ist?
Ferres: Hat sie nicht. Aber darum geht es in unserem Film auch nicht. Wir wollten einfach eine große Geschichte erzählen. Über eine Liebe, die unendlich große Hindernisse überwinden muss. Nebenbei arbeitet der Film mit unserer voyeuristischen Neugierde – denn er gibt Einblicke in das Leben einer sehr mächtigen Frau.

Auf höchster Ebene: Im SAT.1-Eventmovie "Die Staatsaffäre" lieben sich die deutsche Bundeskanzlerin (Veronica Ferres) und der französische Staatspräsident (Philippe Caroit).

 

chilli: In Frankreich haben Staatspräsidenten schon mal Liebesbeziehungen zu Schauspielerinnen, Sängerinnen und Ex-Models. Warum geht so was nicht in Deutschland?
Ferres: Eine solche Affäre wäre hier in der Tat ziemlich undenkbar. Eine Beziehung zwischen Hollande und einer Schauspielerin – das wäre fast so, als hätte Angela Merkel etwas mit Jan Josef Liefers oder Til Schweiger (lacht). Wir Deutsche sind da ziemlich prüde. Wir haben diesen Anspruch, der eigentlich frech ist: Frau Merkel hat uns so zu regieren wie ein katholischer Priester seine Gemeinde. Ohne jegliches Privatleben. Deutschland würde Angela Merkel eine Geschichte wie diese wohl nicht verzeihen.

 

chilli: Wie schwer ist es, die eigene Liebe zu schützen, wenn man prominent ist?
Ferres: Es ist nicht leicht. Jene Unbefangenheit, die man hat, wenn man nicht in der Öffentlichkeit steht, lässt sich nie wieder zurückholen. Apropos Unbefangenheit: Ich musste gerade an Frau Merkel denken, wie jung und enthusiastisch sie aussieht, wenn sie während eines Fußballspiels von der Kamera eingefangen wird. Die Bilder von ihr auf der Tribüne – sie wirken fast so, als würde da ein Teenager mitfiebern oder sich freuen. Sie zeigen aber auch, wie viel Maske und Schutzschilder ansonsten aufgefahren werden müssen, wenn man – gerade als Frau – in einer solchen Position ist.

 

chilli: Wie sehr sind Sie genervt vom Stochern der Medien in Ihrem Privatleben?
Ferres: Es gibt Dinge, die ich nicht mag. Zum Beispiel, dass manche Medien schon vor mir zu wissen vorgeben, was sich in meinem Privatleben tut.

Liebe unter Aufsicht der Öffentlichkeit: Auch Veronica Ferres kennt dieses Problem (Szene mit Filmpartner Philippe Caroit).

 

chilli: Dass nun jeder Mensch mit seiner Handykamera ein potenzieller Paparazzo geworden ist, macht die Sache sicher nicht einfacher.
Ferres: Nein, das ging los mit dem Portal für „Bild“-Leser-Reporter und ist seitdem sicher nicht leichter geworden. Wenn man bekannt ist, ist man heute auf jeden Fall ungeschützter als früher. Es ist eine Tatsache, mit der man leben muss. Das fällt mir manchmal – zugegeben – schwer.

 

chilli: Ihr neuer Film ist dagegen leicht. Gab es dennoch etwas, das Sie daran richtig schwierig fanden?
Ferres: Ja. Mein seitenlanger Monolog zum Ende der Geschichte. Da gebe ich eine öffentliche Erklärung ab – zu meiner privaten Situation. Ich hatte in einem Film noch nie eine so lange Szene mit derart viel Text. Eine weitere, durchaus anspruchsvolle Aufgabe war die Verinnerlichung eines Gefühls, in jeder Szene selbstverständlich Macht auszustrahlen und darzustellen.

 

chilli: Fiel Ihnen das leicht?
Ferres: Ich denke, als Frau ist das fast immer ein weiterer Weg als für einen Mann. Mächtige Frauen gehen anders. Oft tragen sie maskuline Kleidung, die dazu beiträgt, Macht auszustrahlen. Da war mir auch Gerhard Schröder ein Vorbild. Oder Guido Westerwelle, mit dem ich seit über 20 Jahren eng befreundet bin. Über diese Kontakte konnte ich mir einiges abgucken. Ansonsten war Youtube mein bester Freund – nachts, beim Rollenstudium am Beispiel Angela Merkels.

"Deutschland würde Angela Merkel eine Geschichte wie diese wohl nicht verzeihen", sagt Veronica Ferres, die sich in ihrem neuen TV-Film als Bundeskanzlerin in den französischen Präsidenten (Philippe Caroit) verliebt.

 

chilli: Der Film ist eine Komödie. Bedeutet dies, dass sie auch selbst mehr Spaß haben als in einem Drama?
Ferres: Das kann man so pauschal nicht sagen, Filmarbeit ist zuerst einmal harte Arbeit. Sicher ist es immer schön, wenn man merkt, dass ein Film funktioniert, seien die Szenen nun vorwiegend lustig oder ernst. Bei diesem Film habe ich selbst eine gewisse voyeuristische Lust verspürt, in das Privatleben der mächtigsten Frau der Welt zu blicken.

 

chilli: Sie spielten lange Zeit kaum Komödien. Fällt Ihnen das Drama leichter?
Ferres: Ich habe in den 90-ern, als ich fast nur Kino gemacht habe, größtenteils Komödien gespielt. Danach tobte ich mich lange in Dramen aus – und jetzt ist es ein bisschen, wie nach Hause zu kommen in das Komödienfach. Und doch ist die Aufgabe keineswegs leichter. Bei der Komödie gibt es immer nur einen einzigen Weg, etwas richtig zu machen. Beim Drama hingegen existieren viele Möglichkeiten, eine Szene zu spielen. Komödie ist definitiv schwieriger! Und es ist mehr Arbeit: Timing, Tonfall, Pausen – alles muss genau sitzen, nur dann hat man Lacher. Es gibt viele große Komödianten, die es geschafft haben, vom komischen ins ernste Fach zu wechseln. Dagegen gibt es kaum welche, die den umgekehrten Weg gegangen sind – vom Ernsten ins Komische.

 

chilli: Und Sie suchen derzeit wieder bewusst das Komische?
Ferres: Ja, das stimmt. „Das Glück der Anderen“, „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“, jetzt „Die Staatsaffäre“. Ich merke schon, dass ich solche Rollen zurzeit bewusst suche. Es fühlt sich richtig an. Das kann sich aber auch wieder ändern, mal sehen.

 

chilli: Warum kommt dieses Gefühl gerade jetzt? Sind die deutschen Komödien besser geworden?
Ferres: Ja, ich habe tatsächlich den Eindruck. Schon beim Lesen der Drehbücher habe ich großen Spaß. Vielleicht habe ich auch nur Glück mit den Büchern, aber ich denke schon, dass sich da etwas verändert hat. Es gibt nichts Schlimmeres als eine mittelmäßige Komödie.

Veronica Ferres als fiktive Bundeskanzlerin Anna Bremer: "Der Film spielt mit unserer voyeuristischen Neugierde - denn er gibt Einblicke in das Leben einer sehr mächtigen Frau."

 

chilli: Wie sieht es bei Ihnen in Sachen Serie aus? Viele Stars unter den Schauspielern streben in Richtung dieses derzeit blühenden Formats …
Veronica Ferres: Wenn es ein gutes Angebot für eine spannende Rolle ist, warum nicht.

 

chilli: Welche Serien schätzen Sie selbst?
Ferres: Ich hatte das Glück, schon ein bisschen von „Crossbones“ zu sehen, der neuen Piratenserie aus den USA mit John Malkovich in der Hauptrolle. Das ist ganz fantastisch. Ansonsten stehe ich auf „Breaking Bad“, „Mad Men“ und „House of Cards“. Das sind momentan meine Lieblingsserien.

 

chilli: Gibt es auch einen Serienklassiker, den Sie schätzen?
Ferres: Ich weiß nicht, ob das schon ein Klassiker ist, aber ich fand „Monk“ immer ganz großartig – die nervösen Ticks des Hauptdarstellers haben mich sehr amüsiert. Ich finde, das ist ein unterschätztes Meisterwerk der Serienkunst.

 

chilli: Existiert auch eine deutsche Serie, die sie geprägt hat?
Ferres: Da muss ich nicht lange überlegen: „Unser Lehrer Dr. Specht“. Da durfte ich mitspielen und komisch sein. Es war meine erste Fernsehrolle und insofern extrem prägend (lacht).

 

Text: Eric Leimann / Fotos: © SAT.1 / Stefan Erhard
Quelle: teleschau – der mediendienst