Das Fahrrad steht eingemottet im Keller, die Straßen sind trocken, der Schnee lässt auf sich warten – ideale Bedingungen zum Autofahren. Das chilli testet in dieser Ausgabe daher gleich zwei Autos: einen Skoda Fabia und einen Volvo V60. Ein Wochenende lang durften der Kleinwagen und der Kombi zeigen, was sie draufhaben.

Für das chilli im car-check-Einsatz: Tanja Bruckert

 

Samstagmorgen. Freiburg hüllt sich in Nebel. Doch der Blick auf die Belchen-Webcam zeigt: blauer Himmel so weit das Auge reicht. Den Skoda mit seinen knapp vier Metern aus seiner kuscheligen Parklücke manövriert, um uns bequem zum Ziel navigieren zu lassen. Doch, Moment, wo ist das Navi? Der Bordcomputer ist übersichtlich gestaltet und mit Touchscreen kinderleicht zu bedienen – doch ein Navi findet sich nicht. Stattdessen gibt es theoretisch die Möglichkeit, sein Handy auf den Bildschirm zu spiegeln. „Mirror Link“ nennt sich diese eigentlich sehr nützliche Funktion, die momentan aber weder für Android noch für iOS verfügbar ist.

Auf der Autobahn gibt der Volvo richtig Spautz. 181 Pferdchen ziehen uns über die glücklicherweise noch recht leere Straße. Sehr sanfte Fahrgeräusche und eine 1-A-Straßenlage bewirken, dass sich 200 Stundenkilometer wie 130 anfühlen. Gefährlich – und ein echtes Glück, dass die Polizei an diesem grauen Morgen anscheinend lieber noch eine Stunde im Nest bleibt, anstatt mit ihren Blitzern auszurücken.

Bei Bad Krozingen hat sich der Nebelschleier zu einem dichten Vorhang verdickt. Der Regensensor des Skoda reagiert problemlos auf die feinen Wassertropfen, die der Nebel auf der Frontscheibe hinterlässt, und sorgt für etwas Sicht. Doch kaum cruisen wir das Münstertal hinauf, verziehen sich die Nebelschwaden und wir ziehen an sonnenbeschienenen Bauernhäusern und Werkstätten vorbei, die weihnachtliche Holzarbeiten zum Verkauf anbieten.

Volvo V60: sportlicher Kombi mit 181 PS

 

Die kurvige Straße hoch zum Wiedener Eck nimmt der Skoda ganz gelassen und bleibt sauber in der Spur. Die Broschüre informiert, dass das ESC technisch noch ausgereifter sei als bisher und es uns erlaube, die Kurven noch sicherer und dynamischer zu nehmen. Das Gaspedal wandert ein Stückchen weiter nach unten.

Mit der Gondel geht es von der Talstation hoch zum Gipfel des Belchen. Das Fortbewegungsmittel lässt den verwöhnten Autotester den Komfort vermissen – wo sind Bordcomputer, Sitzheizung und Lichtautomatik? Und warum kann ich mein Handy nicht per Mirror Link auf die Scheiben projizieren? Der Blick macht jedoch alles wett: Strahlendes Blau über einer weißen Wolkendecke, aus der vereinzelte Gipfel herausragen, und ein glasklarer Blick bis zu den Alpen. Nicht überzeugt vom Gondelkomfort, entscheiden wir uns nach einer Runde um den Gipfel, zu Fuß zur Talstation zurückzulaufen.

Auf den engen Serpentinen ins Tal zeigt der Volvo, wie sportlich so ein Kombi sein kann. Seine 4,60 Meter müssen nicht mühsam durch die Kurven bugsiert werden, er beschleunigt elegant aus den engsten Kurven heraus. Im Automatikmodus – den man durch zwei schicke silberne Schaltwippen umgehen kann – wird der Wagen durch die Motorbremse bei einer moderaten Geschwindigkeit gehalten. Die ECO-Anzeige neben dem Tacho zeigt an, dass wir uns fast im grünen Bereich bewegen – allerdings nur fast, obwohl wir null Liter Treibstoff verbrauchen und sogar Heizung, Radio und Navi ausschalten.

Der detailverliebte Skoda hat einiges zu bieten.

 

Vielleicht nimmt uns der Volvo übel, dass wir nach unserer Berg- und Talfahrt sowie Autobahnraserei mit 7,1 Litern auf 100 Kilometer weit vom angegebenen Normverbrauch von 4,7 Liter entfernt sind. Ob man mit einem 181 PS starken Schiff tatsächlich auf knapp fünf Liter kommen kann, wissen wir nicht, doch wir haben Gewissensbisse und holen uns vom Bordcomputer ein paar Umwelttipps.

Auf dem Rückweg geht es beim Supermarkt vorbei, und der Skoda offenbart eine seiner Stärken: die Liebe zum Detail. Die Einkaufstasche wird am Gepäckhaken fixiert, und was dort nicht mehr reingepasst hat, wird unter dem Gepäcknetz verstaut. Für Flaschen gibt es im Kofferraum ein Fach an der Seite – nur die bauchige 2-Liter-Flasche Bier passt dort nicht hinein.

Auch im Innenraum lassen sich zahlreiche Staumöglichkeiten entdecken – einige davon erst, wenn man weiß, wo man suchen muss: ein Brillenfach über dem Innenspiegel, ein herausnehmbarer Abfallbehälter in der Seitentür, Ablageschlitze für Karten, kleine Fächer unter den Vordersitzen oder ein Einkaufswagenchip vor dem Schalthebel.

Der Innenraum des Volvo bietet viel Platz.

 

Mittlerweile ist es später Nachmittag und die Sonne hat den Kampf gegen den Nebel vollends aufgegeben. Doch auch auf der dunklen Landstraße ist der Volvo eine wahre Freude. Das Kurvenlicht reagiert sofort und leuchtet im Verbund mit dem Abbiegelicht jeden kleinen Winkel aus, die Rückspiegel dunkeln sich in einem leichten Grünton ab, sobald ein Auto hinter uns fährt.

Sonntag. Auf nach Straßburg zum Weihnachtsmarkt. Die Parkhäuser in der Innenstadt sind alle belegt, die Parkplätze voll. Wir finden noch eine Parklücke am Straßenrand und beobachten, wie sich das Lenkrad dank des intelligenten Einparkassistenten wie von Zauberhand dreht und der Volvo lässig in die Lücke gleitet.

Kurze Zeit später wünschen wir uns ebenfalls einen Assistenten, der uns lässig durch die unvorstellbaren Menschenmassen gleiten ließe, die sich in Straßburgs Straßen drängen. Wir versuchen es stattdessen mit schieben und quetschen. Abseits des Münsters lässt der größte Ansturm glücklicherweise schnell nach und wir können die wunderbar kitschig geschmückten Häuser und Gassen bewundern.

Der Skoda Fabia kann sich auch innen sehen lassen.

 

Zurück beim Auto freuen wir uns über die Sitzheizung des Skoda, die ruckzuck Wärme unterm Hintern macht. Mittlerweile ist es dunkel. Wir biegen in eine Kurve, die plötzlich ausgeleuchtet wird: Der Nebelscheinwerfer wird zum Abbiegelicht, das so angenehm ist, dass es seine hundert Euro extra auf jeden Fall wert ist. Wir beenden das Testwochenende mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,3 Litern statt den angegebenen 4,7 Litern und beschließen, ab jetzt wirklich auf eine etwas grünere Fahrweise zu achten.

Montagmorgen heißt es wieder zurück ins Autohaus. Als ich den Volvo vor dem Autohaus Engelhard parke, schaue ich dumm aus der Wäsche, weil mein eigener Autoschlüssel noch auf dem Schreibtisch in der Redaktion liegt. Allerdings ärgere ich mich nur so lange, bis mir auffällt, was das bedeutet: eine Extrarunde mit dem PS-starken Flitzer!

Text & Fotos: Tanja Bruckert