Nichts ist amerikanischer, als Kalifornien mit dem Mietwagen zu erkunden. Besonders empfehlenswert: der Highway No. 1, auch genannt: Pacific Coast Highway. Die über 1000 Kilometer lange Landstraße verläuft zu großen Teilen direkt am Pazifik entlang. Sie passiert einsame Strände, weitläufige Nationalparks und imposante Aussichtspunkte. Einfach dem Highway von Los Angeles aus nach Norden folgen – go for it!

Top-Strände in L. A.: Der etwa 4,5 Kilometer lange Sandstrand von Venice Beach.

 

Los Angeles:

Hollywood? Kennt man doch aus dem Fernsehen. Wer außer den einbetonierten Sternchen am Hollywood Boulevard lieber das bekannte Namensschild in den Hügeln erleben will, sei gewarnt: Wanderungen dorthin sind verboten. Man kann die Szenerie aber ganz gut aus der Ferne betrachten, zum Beispiel vom Griffith Park oder vom Beachwood Drive. Einen Blick hinter die Kulissen gestatten viele Filmstudios bei geführten Touren, z. B. Paramount (5555 Melrose Ave., ab 35 Dollar) oder Sony (10202 W Washington Blvd., Culver City, ab 28 Dollar). Wie in den USA üblich, sparen die Veranstalter nicht mit Pomp, wenn sie neugierigen Besuchern die Original-Drehplätze diverser Filme und Serien zeigen. Da der Andrang groß ist, empfiehlt es sich, vorher zu reservieren.

Was sich sonst noch lohnt, hängt stark von den eigenen Interessen ab. L. A. ist sowohl eine Partymeile (vor allem am Hollywood Boulevard und am Sunset Strip) als auch eine Stadt für Wanderfreunde (Radfahren, Inlineskating und Spazieren in den Santa Monica Mountains vor den Toren der Stadt). Es gibt aber auch Top-Strände (der beste liegt in Venice) und Amerika-typische Fresstempel. Besonders zu empfehlen: das Homeboy-Restaurant (130 W Bruno Street). Hier arbeiten ehemalige Gang-Mitglieder und bereiten vorzügliches Essen zu – ein Sozialprojekt, das in der „Hauptstadt der Bandenkriminalität“ bitter Not tut. Der Jesuitenpriester Gregory Boyle gründete 1988 das Projekt. Sein Motto: „Nichts stoppt eine Kugel so gut wie ein Job.“ Im Laufe der Jahre entwickelte sich aus dem Hinterhof-Projekt ein florierendes Gastronomie-Unternehmen mit Restaurant, Bäckerei, Catering-Service und einem Imbiss im Rathaus. Politiker, Polizisten und immer öfter auch Touristen schwärmen für den Betrieb, der mittlerweile fast 300 Ex-Knackies beschäftigt.

Arbeitsplatz von Ex-Gang-Mitgliedern: Das Homeboy-Restaurant in L. A.

 

Vom Verkehr her kommt man in L. A. mit dem Auto relativ gut voran – trotz gelegentlicher Staus in der Rush Hour. Wichtig: Ohne Navi ist stundenloses Umherirren in der zweitgrößten amerikanischen Stadt (nach New York) vorprogrammiert. Es empfiehlt sich, schon von Deutschland aus ein Gerät mitzubringen, das US-Kartenmaterial enthält. Das ist oft weit billiger als die horrenden Mietpreise bei Autoverleihern.

Übernachtungstipp: Sea Shore Motel, 2637 Main Street, Santa Monica, DZ ab 110 Dollar, www.seashoremotel.com. Das Motel liegt außerhalb im vornehmen Santa Monica, nur einen Block vom Strand entfernt.

 

San Francisco:

Es gibt zwei Dinge in San Francisco, die zwar extrem touristisch klingen, sich aber trotzdem lohnen. Da wäre zum einen der Besuch des ehemaligen Hochsicherheitsgefängnisses Alcatraz. Lange vor Guantanamo fristeten dort Schwerverbrecher, Deserteure und Schmuggler ein hartes Dasein auf einer Insel mitten in der Bucht von San Francisco. Vom Pier 33 legen täglich Fähren ab, um Besucher auf eine packende Tour (inkl. Audio-Guide) mitzunehmen: www.alcatrazcruises.com; Karten ab 28 Dollar, unbedingt vorher reservieren. Zum anderen ist der Besuch der Golden Gate Bridge ein Muss – wobei „Besuch“ natürlich Definitionssache ist. Nur kurz parken und ein Foto machen? Möglich. Einmal mit dem Auto drüberfahren? Auch in Ordnung, aber mautpflichtig. Viel besser und gesünder (zumindest außerhalb des Berufsverkehrs): die weltbekannte Brücke zu Fuß überqueren!

In Chinatown, einem der am dichtesten besiedelten Stadtgebiete der USA, schlägt das asiatische Herz der Stadt. Obwohl viele Geschäfte sich inzwischen an den Bedürfnissen der Besucher orientieren, findet man vielerorts noch das ursprüngliche, echte Chinatown: Einfach das Auto in einem der vielen Parkhäuser abstellen und durch die Gegend wandern, zum Beispiel rund um die Kreuzung Bush Street/Grant Avenue.

Übernachtungstipp: Hotel des Arts, 447 Bush Street, DZ mit Bad ab 140 Dollar, www.sfhoteldesarts.com. Trendige Absteige mit künstlerisch gestalteten Zimmern.

Cannabis-Plantage in der Öko-Hochburg Arcata.

 

Arcata:

Nach mehreren hundert Kilometern entlang des Highway No. 1 endet dieser. Dann wird es auch in Kalifornien spürbar kälter und bergiger. Irgendwann taucht die Kleinstadt Arcata auf. In den Wohnzimmern wächst Cannabis, Fast-Food-Ketten sind verboten: Arcata gilt als die Öko-Hochburg der USA. Sie liegt ganz im Norden des Bundesstaats und zieht Hippies wie Touristen an. Die privaten Cannabis-Plantagen liegen in einer rechtlichen Grauzone: „Jeder weiß das, aber die Polizei schreitet nicht ein, solange man das Zeug nur für den Eigengebrauch und nicht zum Weiterverkauf verwendet“, sagt Bürgermeisterin Susan Ornelas. Genau das befürchten aber die Bundesbehörden, die die Stadt nun offiziell zum Umdenken aufgefordert haben – bei Androhung rechtlicher Schritte.

Es sind jedoch längst nicht nur Drogen, die zum liberalen Lebensstil des Städtchens gehören. 1850 als Holzfällercamp gegründet, entwickelte sich Arcata durch seine Universität im vergangenen Jahrhundert zu einer wahren Hippie-Bastion. Lange Bärte und selbst gemachte Fair-Trade-Klamotten auf Hanf-Basis sind keine Ausnahme, sondern eher die Regel. An vielen Autos kleben Aufkleber, die zur religiösen Toleranz und zur vegetarischen Lebensweise auffordern.

Auf dem Marktplatz sonnen sich Jugendliche und kichern über die neuesten Meldungen der Lokalzeitung: Am Wochenende hat eine barbusige Frau unter den Augen der Polizei einen Hula-Hoop-Tanz aufgeführt – im prüden Amerika eigentlich undenkbar. Bei einem Mann, der sich selbst in der Notaufnahme noch einen Joint ansteckte, waren die Beamten weniger gnädig. Diese Mischung aus Hippie-Flair und Umweltbewusstsein will sich die Stadt zunutze machen, um Öko-Touristen anzulocken. „Wir sind auch schon relativ bekannt“, meint Alicia Hamann, die im lokalen Visitor Center arbeitet. „Allerdings eher durch Youtube-Videos, die uns als verrücktes Hippie-Paradies darstellen.“ Mit gezielten Informationen über die Natur- und Umweltprojekte wolle man nun gegensteuern.

Übernachtungstipp: Best Western Arcata Inn, 4827 Valley West Blvd., DZ rund 100 Dollar; www.bestwestern.com