Ein Specht hat gestern eine Handvoll Höfe im Griestal bei Freiburg-Opfingen vom Stromnetz abgehängt, indem er ein Versorgungskabel an einem Strommast durchgehackt hat. Techniker des regionalen Energiedienstleisters Badenova konnten den Schaden nach mehrstündiger Fehlersuche beheben.

 

Um 9.30 Uhr am gestrigen Dienstagvormittag gingen an vier Gehöften im Griestal die Lichter aus – Stromausfall. Das kann an windigen Herbsttagen oder im tiefen Winter durch herab fallende Äste oder Schneemassen immer wieder vorkommen. Besonders wenn es sich um abgelegene Freiland-Leitungen handelt, die entlang von Bäumen oder Waldstücken errichtet wurden. In diesem Fall war die Fehlersuche für die Badenova-Techniker etwas aufwendiger. Das Wetter war ruhig, von Schnee nichts zu sehen.

 

Erst als einer der Monteure den Übeltäter anhand seiner nur allzu typischen und bei Badenova bereits „aktenkundigen“ Spuren identifizieren konnte, war die Fehlerquelle für den Stromausfall gefunden: Ein eifriger Specht hatte sich einen 20 Meter hohen Strommast ausgesucht, um dort seinen natürlichen Trieben nachzugeben. Dabei machte er auch vor einem vier Zentimeter dicken 20.000-Volt-Kabel keinen Halt. Bereits vor sechs Jahren mussten Techniker von Badenova sich mit einem fleißigen Hacker auseinandersetzen, als ein Specht am Blankenhornsberg bei Breisach wiederholt Kabel an Strommasten zerstörte und nicht weniger als drei Stromausfälle verursachte. Ein Gutachten hatte damals ergeben, dass ein Specht die Ursache war.

 

Ornithologen wissen, dass Spechte Baumstämme aber auch andere Pfähle aufhacken, um dort ihre Nesthöhle zu bauen, nach Futter zu suchen, ihr Revier zu markieren oder ein Balzritual aufzuführen. Zum Schutz gegen weitere Stromausfälle setzten Monteure von Badenova damals auf eine in Skandinavien weit verbreitete Lösung. Eine 40 Zentimeter große Specht-Attrappe aus Blech signalisiert seitdem jedem potentiellen Kabelhacker: „Revier ist besetzt – bitte weiterfliegen!“ Ob die Specht-Attrappe auch im Griestal zum Einsatz kommen wird, ist noch offen.

 

(Das Foto zeigt die Spechtatrappe; Quelle: Badenova)