Gestern Abend hat Nneka, die Hamburger Soulsängerin mit afrikanischen Wurzeln, im gut gefüllten Spiegelzelt auf dem ZMF gespielt und dabei auf eindringliche Art und Weise ihre Songs performt, die vor allem von den schlechten Seiten dieser Welt handeln – und davon, wie eine kleine Frau wie die 31-Jährige sich diesen entgegen stellt.

 

Ein großes verwaschenes Schlabbershirt, eine Art Schlafanzughose im Batik-Look, die in Wollsocken gestopft ist, an den Schuhen Chucks und auf dem Kopf ein Dutt. Im wahrsten Sinne des Wortes ungeschminkt spielte die bis zu Vergleichen mit Laury Hill viel gefeierte kleine Soulsängerin Nneka ihr Konzert gestern Abend im Spiegelzelt des ZMF.

 

Am Dienstag vergangene Woche stand ein paar Meter weiter im Zirkuszelt mit Janelle Monáe ebenfalls eine (körperlich) kleine und viel gefeierte Künstlerin auf der Bühne. Gekleidet im schwarz-weißen Hosenanzug, die Haare zur perfekt sitzenden Tolle toupiert.

 

Nicht nur im Äußeren unterschieden sich die Beiden. Wo Monáe mit ihrer wilden Disco-Abfahrt und von Anfang bis Ende choregrafierten Show noch komplett alles auf Künstlichkeit in ihrer Kunst legte, verzichtete Nneka auf jeglichen Effekt. Ihr ging es um die Musik und die Botschaft, die sie transportieren wollte. Gekommen, um zu inspirieren war sie. Die Songs der Sängerin mit nigerianischen Wurzeln handeln vor allem vom schlechten Ist-Zustand dieser Welt und wie sie sein sollte.

 

Nneka singt mit geschlossenen Augen, verzieht das Gesicht vor Schmerz, wenn sie über das Leiden der Kleinen oder die Korruptheit der Großen singt. An einer Stelle des Konzertes, während der Keyboarder ein langes Instrumentalstück spielt, sitzt sie auf dem Podest vor dem Schlagzeug und weint beinahe. Der Bassist steht neben ihr und blickt sie dabei gedankenverloren an, auch der Gitarrist sitzt am Bühnenrand und schaut ernst drein. Kurz danach geht es über zum Song “Heartbeat”, einem treibenden Stück, das entgegen des Großteil des Abends schwer nach vorne geht. Zur Zugabe gesellt sich noch ein (unbekannter) Rapper, der ein paar Zeilen zum Besten gibt und auch Nneka zeigt doch noch einmal Energie. Als das Konzert zu Ende geht, verschwindet Nneka mit einem kurzen “Thank You” und die Band folgt ihr alsbald. Janelle Monáe verbeugte sich nach ihrem Konzert mit ihrer fast orchestergroßen Band im großen Stil.

 

Eindringliche Konzerte waren es an beiden Abenden. Auf ganz unterschiedliche Arten.

Text & Fotos von Daniel Weber