Der Turnerbund Kenzingen muss weiter auf ein Erfolgserlebnis warten: Das dezimierte Team um Spielertrainer Auri Steponavicius verlor am Samstag vor gut 400 Zuschauern das Baden-Württembergliga-Derby gegen den TV Willstätt mit 26:28 (11:13). In einer sehr unterhaltsamen und überraschend offenen Partie entschieden am Ende nur ein paar Kleinigkeiten. Denis Michelbach saß nach dem Abpfiff in einer Hallenecke und starrte den Boden an. Bis Steponavicius hinging und seinen Spielmacher zurück zur Mannschaft holte. Die Enttäuschung saß tief, die Zuschauer aber applaudierten den Kenzingern trotz der siebten Niederlage in Folge.

„Respekt vor den Kenzingern, die haben bis zur letzten Sekunde gekämpft, ich hoffe, die packen es noch“, meinte der Willstätter Coach Martin Valo. Sein Team hatte die Anfangsphase klar dominiert, lag durch je einen Dreierpack von Mathias Riedel und Marco Schlampp mit 6:2 vorne. Da aber war der TVW-Keeper Marco Henne von den gut leitenden Referees nach einem völlig unnötigen Foul an Max Biehler (der hernach nicht weitermachen konnte) schon auf die Tribüne geschickt worden.
Es hatte fast acht Minuten gedauert, bis Jaroslav Dusek – im ersten Durchgang lange der einzig gefährliche Mann für die Gastgeber – den ersten eigenen Treffer erzielt hatte. Spielerisch waren die Willstätter leicht überlegen, sie profitierten aber auch von vielen technischen Fehlern der Kenzinger, die das mit unbändigem Einsatz kompensieren mussten. Zur Pause lag der Favorit mit 13:11 vorne, direkt nach Wiederanpfiff aber gaben die Hausherren den Ton an und legten das 15:14 vor. Nun war die Partie völlig offen, als indes Steponavicius selber nach einem Kopftreffer ebenfalls mit Rot runter musste (39.), sanken die Chancen des lazarettösen TB weiter. Die Mannschaft stellte sich nun quasi von alleine auf, so kam etwa der A-Jugendliche Matthias Emmenecker zu seinem ersten Einsatz in der Ersten – zehn Minuten später durfte er nach einem rüden Foul ebenfalls vorzeitig duschen, die dritte Rote der Partie.
Aber: Gestützt auf einen bärenstarken Frank Klomfaß und mit dem Mut der Verzweiflung ackerten die Kenzinger weiter und waren bis zum 23:23 durch Sebastian Schäfer ebenbürtig. Zwei haarsträubende technische Fehler, ein Lattenknaller des guten Philipp Schollmeyer und zwei Glanzparaden von Lotfi Hamadi brachten den Gästen letztlich den Sieg. „ich vermisse, dass alle dahin gehen, wo es weh tut und wir machen Fehler, die schwer zu akzeptieren sind“, kommentierte Steponavicius. Eine beeindruckende Moral kann man dieser Truppe nicht absprechen. Aber für Moral gibt es in der Tabelle keine Spalte.
Tore TBK Michelbach 5, Schäfer 3/3, N. Pommeranz 1, Hüglin 3, Schollmeyer 5, Steponavicius 3, M. Emmenecker 2, Dusek 3, Biehler 1.